Interessante Anfragen…

Ich find’s ja toll – seitdem ich mehr oder weniger regelmäßig meine Erfahrungen mit dem Saxophon veröffentliche, bekomme ich die verschiedensten Anfragen zu diesem Thema. Einerseits bestätigt mich das darin, mit diesen Seiten und meinen Aktivitäten auf Saxwelt weiterzumachen, andererseits zeigt es mir, dass ich mal ein oder zwei Dinge erklären sollte:

Ich bin kein Sax-Doc. Jemand, der professionell Saxophone repariert, muss das als Beruf („Holzblasinstrumentenbauer“ bzw. „Holzblasinstrumentenmacher“) erlernt haben. Wer den Beruf nicht im Wege der dafür vorgesehenen Ausbildung erlernt hat, muss deswegen nicht unfähig sein – aber nach meinem Kenntnisstand gehört zu einem Reparaturbetrieb in diesem Beruf in Deutschland nach wie vor der Meisterzwang. Was gut ist, wenn man sich die Ergebnisse der Arbeiten dieser Leute anschaut und anhört.

Ich kann also dementsprechend zwar gern die Tipps und Tricks, die ich selber im Laufe der Zeit aufgeschnappt habe, anwenden und auch weitergeben – aber genauso wie die Geschichte von der „Leiche im Keller“ gezeigt hat, dass ich selbst kein komplettes Horn wieder ganz bekomme, kann ich eben nur Anregungen und Hinweise geben, und nicht die ultimative Lösung. Vieles, was ich inzwischen lernen durfte, ist aber andererseits soweit erprobt, dass ich es nicht fair fände, das Wissen nur für mich zu behalten.

Gleiches gilt für Kaufempfehlungen und -erfahrungen: Bis auf ein einziges Saxophon habe ich alle meine Instrumente bislang gebraucht gekauft, ungefähr hälftig über gute Bekannte und Beziehungen und über ein bekanntes Internet-Auktionshaus. Ein Saxophon-Gutachter bin ich deswegen noch lange nicht, nehme aber für mich in Anspruch, inzwischen einigermaßen gut beurteilen zu können, ob ein angebotenes Saxophon längerfristig Freude bringen wird und vor allem, ob es den geforderten Preis zumindest in Ansätzen wert ist.

Das bedeutet, dass ich auch weiterhin an mich herangetragene Fragen aus diesem Feld gern beantworte, allerdings muss ich jegliche Haftung für meine Antworten von vornherein ablehnen. Ich gebe nur meine persönlichen Erfahrungen wieder und verdiene auch nichts damit – wenn ich das wollte, bräuchte ich mehr als nur Erfahrung und – hoffentlich – gesunden Menschenverstand.

Für diejenigen, die mich fragen möchten: Bitte denkt bei Euren Anfragen daran, dass ich ohne einen Link zur fraglichen Auktion oder Fotos des betreffenden Saxophons schonmal rein gar nichts sagen kann. Außerdem ist für eine Bewertung unglaublich wichtig, möglichst genau den Hersteller, das Modell und möglichst auch die Seriennummer des fraglichen Instruments zu kennen. Jegliche Hinweise auf Fehler oder Defekte sind ebenfalls wichtig, da ich inzwischen für einige gängige Fehler einschätzen kann, was deren Behebung kosten kann.

Allerdings gibt es auch kein „Rezept“: Genauso wie vier Saxophonisten (oder Sax-Docs) ein Saxophon mit vier unterschiedlichen Wertansätzen betrachten werden, gibt es auch für Reparaturen oder Überholungen keine amtliche Preistabelle. Ich habe sehr gute „normale“ Generalüberholungen für 300 EUR erlebt, andere machen ebenfalls sehr gute Arbeit, berechnen aber mglw. 1000 EUR dafür. Ein Kostenvoranschlag des in Erwägung gezogenen Betriebs ist also trotz aller Voreinschätzungen unverzichtbar. Dieser Kostenvoranschlag sollte aber auch eine sog. „worst case“ Betrachtung sein – also „wieviel kostet es im schlimmsten Fall“. Für uns als Kunden ist nichts ärgerlicher, als wenn der Reparateur nach 2/3 oder gar Abschluss der Arbeiten „nachkartet“, und eine viel dickere Rechnung präsentiert. Und eine „verschenkte“ Kostenvoranschlagspauschale ist dann manchmal sogar noch akzeptabel, wenn eine Zweitmeinung eine bessere Prognose ergibt.

Übrigens habe ich noch eins gelernt: Es gibt fast kein Saxophon, das ein komplett hoffnungsloser Fall wäre. Es gibt allerdings relativ viele Instrumente, die im Wiederverkaufswert zwischen „gerade noch spielbar“ und „frisch überholt“ nur so geringe Unterschiede haben, dass eine Generalüberholung sich nur dann rechnet, wenn man das Instrument für den eigenen Gebrauch behalten möchte – dann hat man nämlich auch sehr lange etwas von der hineingesteckten Arbeit (bzw. dem hineingesteckten Geld). Und bei einem angeblich frisch überholten Saxophon, das nicht einmal den bereits genannten Preis für eine ordentliche Generalüberholung kosten soll (demnach das Instrument selber für „unter Null“ abgegeben wird) – nun ja, da ist halt irgendetwas nicht in Ordnung und sollte hinterfragt werden.

Was die gemachte Einschränkung „fast“ betrifft: Schaut man sich besagtes Internet-Auktionshaus oder die „Einsteigerangebote“ größerer Musikalienhändler an, gibt es in letzter Zeit zunehmend sehr billige neue Saxophone im Angebot. Diese stammen fast ausnahmslos aus China und sind zumindest dem ersten Anschein nach Kopien der Instrumente namhafter Hersteller. Gut eingestellt mögen sie sogar eine ganze Weile spielbar sein, ich habe sogar schon vereinzelt welche von den „billigen“ erlebt, die einigermaßen ordentlich klangen. Trotzdem macht der Preis Konzessionen an die Verarbeitungsqualität und das verwendete Material. Ein Instrument, das über Jahre hinweg mit wenig oder gar ohne Wartung auskommt, ist das aber definitiv nicht.

Was sich nicht gegen Saxophone aus China generell richtet. Einige Markenhersteller beziehen wesentliche Teile oder sogar vollständige Instrumente aus China, legen aber dann ganz andere Qualitätsmaßstäbe an und schicken auch ihre eigenen Leute zur Kontrolle hin. Ein solches Saxophon ist dann allerdings nicht für unter 300 EUR zu haben sondern kostet signifikant mehr.

Letztlich – auch wenn es manchem Einsteiger schwer fällt und das Geld auch nicht auf Bäumen wächst – darf der Motivationsfaktor nicht vergessen werden: Ein Sax für ein paar Euro zum „ausprobieren“ mag nicht besonders wehtun, und der Schaden ist auch nicht groß, weil man es meist für den Preis oder unwesentlich darunter wieder los wird. Es macht aber auch weniger Spaß, und wegen des geringen Risikos ist auch kein Leistungsdruck da. Gibt man hingegen eine ordentliche Summe (der Preis guter Saxophone liegt je nach Einkommenssituation schon mal ganz schnell bei einem Netto-Monatsgehalt, bei sehr guten noch weitaus höher) aus, dann lernt man, das Ding zu spielen – und wenn es einen umbringt!

Die Padless Technologie

Zugegeben, führt man sich vor Augen, dass das Saxophon eine Erfindung aus der Mitte des 19. Jahrhunderts ist, muss einen der Detailreichtum und die Präzision dieses Instruments schon faszinieren. Mit älterer Technologie wäre so etwas wahrscheinlich nicht machbar gewesen. Schon die – immerhin noch mit einem Holzkorpus gesegnete – Klarinette ist in der Form, wie wir sie heute kennen, noch nicht so besonders alt. Viele der heute als üblich angesehenen Klappen waren zu früheren Zeiten noch ganz normale Tonlöcher, die mit den Fingern des Spielers verschlossen wurden.

Schaut man sich das Patent für die Tonlochabdichtung des Selmer Padless an, stellt sich entsprechend die Frage, warum nicht auch diese Idee schon früher aufgegriffen wurde – benötigen doch die Dichtungsringe um die Tonlochkamine ganz erheblich viel weniger Dichtungsmaterial als die üblichen Klappenpolster.

Aber genau in diesem Minimalismus liegt der Haken an der Sache, und wahrscheinlich auch der Grund, warum die Technik sich bislang noch nicht durchsetzen konnte (wenn wir einmal von dem ganz profanen Grund absehen, dass es in der Konsequenz seit 1942 nicht mehr versucht wurde!)

Die nötige Technologie zur Herstellung der benötigten Tonlochringe hätte schon zu Adolphe Sax‘ Zeiten zur Verfügung gestanden – daran kann angesichts der ansonsten komplexen Saxophon-Technik kein Zweifel bestehen. Spannender dürfte da die Frage nach dem Dichtungsmaterial sein. Ausserdem waren im 19. Jahrhundert Fertigungstoleranzen im Spiel, die heutzutage pauschal unter „Ausschuss“ gebucht würden. Ein einfacher Blick auf die Klappentechnik in Großaufnahme zeigt, was ich meine:

Ein Tonlochkamin mit freigelegtem aufgedoppelten Ring
Eine zugehörige Klappe

Was schnell erkennbar wird: Sowohl der aufgedoppelte Ring als auch die Klappe selbst müssen im Rahmen der Möglichkeiten plangeschliffen sein – besonders viel Spielraum für Unebenheiten gibt es schon im Ring nicht, obwohl da immerhin noch mit Unterlegmaterial und dem Kleber selbst justiert werden könnte. Die Klappe hingegen verzeiht überhaupt keine Nachlässigkeiten – eine verzogene Klappe, eine winzige Kerbe oder auch nur ein ungleichmäßiger Schliff, und schon ist eine Dichtigkeit nicht mehr herstellbar.

Noch spannender wird dann die Frage nach dem Material für die Dichtungen selbst. Was Anfang der 40er genau verwendet wurde, konnte ich noch nicht herausbekommen – Quellen sprechen von einem ähnlichen Material wie die normalen Klappenpolster, also Leder mit einer Füllung aus Papier und Filz. Das das für diese schmalen Ringe ein Problem werden dürfte, dafür bedarf es nicht einmal besonders farbenprächtiger Vorstellungskraft. Auf keinen Fall dürfte den Machern des Padless so etwas zur Verfügung gestanden haben:

Neue Ringe braucht das Land…

Diese Ringe sind gleichzeitig eine Sisyphus-Arbeit und eine Glanzleistung von Maik (Ex-Woodwind24), der sie einzeln aus einem speziellen Schaummaterial, das mit feinem Leder laminiert wurde, ausgestanzt hat. Allein die Abmessungen der Ringe in Form von Stanzeisen passend abzubilden, war schon ein Akt für sich.

Eine Crux des Materials offenbarte sich leider erst bei der Montage des Padless – was wiederum ein Meisterstück meines Freundes ToKo war. Das verwendete Schaummaterial war entgegen unseren Erwartungen offenporig – damit waren die Ringe seitlich nicht ganz dicht, weil ja entgegen der „klassischen“ Padless Dichtungen das Leder die Ringe nicht seitlich umschließt. Die einzige Chance, das Sax spielbar zu bekommen, war daher auch, die Ringe noch einmal nach erfolgtem Einbau und Justage rundum vorsichtig mit dunklem Silikon zu versiegeln. Hat natürlich ganz leicht etwas von „von hinten durch die Brust ins Knie“, aber worauf es primär ankam war, das Horn wieder spielbereit zu machen – denn der Sound ist wirklich ein Kapitel für sich…

Das Selmer Padless!

Angedeutet hatte ich es ja schon mehrfach, aber jetzt wird endlich gezeigt, was Sache ist:

Das Selmer Padless Saxophon ist ein Instrument mit einer interessanten und leider – zumindest für mich – noch nicht eindeutig nachvollziehbaren Geschichte. Daher mal so ungefähr das, was ich bislang zusammenreimen konnte:

Im Jahre 1939 hat Eugene Sander von der H&A Selmer, Inc., Elkhart, Indiana, USA, eine Eingebung: Er meldet einen völlig neuen Ansatz für die Abdichtung der Klappen von Holzblasinstrumenten zum Patent an. Das Patent mit der Nummer 2,227,230 kann online eingesehen werden, und zwar beim US Patent Office (Patentnummer dort bitte als 02227230 eingeben, dann klappt’s!).

Das Ergebnis seiner Entwicklung sieht beispielhaft etwa so aus:

Tonlochringe
Die patentierten Tonloch-Dichtungsringe
Über das, was nun folgt, sind sich die verfügbaren Quellen uneins. Die Legende sagt in etwa das folgende:Die amerikanische H&A Selmer, Inc. (Selmer USA) steht 1940 nach Ausbruch des 2. Weltkriegs vor einem Problem: Aus Europa kommen keine Profiinstrumente mehr, weil die französische Mutterfirma kriegsbedingt die Produktion einstellen muss. Amerika ist zu diesem Zeitpunkt nicht aktiv im Krieg, die Firma braucht also ein hochklassiges Produkt für den heimischen Markt.Selmer USA geht eine Partnerschaft mit dem amerikanischen Hersteller Buescher ein, und gemeinsam wird ein Instrument entwickelt, das im wesentlichen aus einem modifizierten Buescher Korpus und der etablierten „Radio Improved“ Mechanik von Selmer besteht. Die Klappen jedoch sind plan geschliffen – dafür werden als Dichtung die von Eugene Sander zum Patent angemeldeten Ringdichtungen eingebaut. Das Ganze soll später den Spitznamen „Selmer Padless“ erhalten. Es werden Varianten als Alto und Tenor Saxophone angeboten, eine Quelle nennt Listenpreise von $250 für das Alto und $275 für das Tenor.Nebenbei sollte erwähnt werden, dass die Grundkonstruktion die Basis der späteren Bundy-Saxophone bilden sollte – ob das damals schon Intention der Entwickler war, ist wohl nicht mehr zweifelsfrei feststellbar.

Übrigens findet sich bei cybersax.com eine schöne Beschreibung eines Padless Altos plus deren englischsprachige Version der Geschichte des Padless. Ob die Chronologie dort näher an der tatsächlichen Geschichte ist – wer kann das nach fast 70 Jahren schon noch sagen? Realistisch erscheint allerdings die Einschätzung, dass die Linie wegen technischer Probleme bei der Herstellung und Wartung der Instrumente – die Dichtungsringe waren damals aus Leder mit Papiereinlage, und dementsprechend anfällig für Undichtigkeiten – wieder eingestellt wurde.

Soviel zur Geschichte. Überschlagsmäßig etwa 55 Jahre später gelangt eines dieser Saxophone, in diesem Fall ein Tenormodell, in meinen Besitz. Von den klassischen Dichtungen ist nichts mehr vorhanden, stattdessen befinden sich vom Alter verhärtete Gummiringe in den entsprechenden Ringvertiefungen. Damit machen die Klappen einen Höllenlärm, dennoch ist das Instrument leidlich von Tief-F bis ins hohe Register spielbar. Das, was an Tönen herauskommt, spricht eine deutliche Sprache: Dieses Saxophon muss wieder „singen“ lernen. Das Design mit den plangeschliffenen Klappen und die spezielle Bauweise sorgen für ein Resonanz- und Anspracheverhalten, das ganz einzigartig ist. Es wäre eine Sünde, dieses Instrument weiter im Dornröschenschlaf liegen zu lassen…

Die Leiche im Keller (Finale)

Tja, es ist schon eine ganze Weile her, dass ich der „Leiche“ das obligatorische Update zuteil werden ließ. Aber was lange gärt, wird endlich Wut (oder irgendwie so): Hier ist also das wiedererstandene „Impala“ Tenorsaxophon in seiner ganzen wiedergewonnenen Schönheit:

Das Impala von rechts
Das neu erstandene „Impala“
Von dem seinerzeit bei mir angekommenen, komplett korrodierten Sax ist nicht mehr viel zu bemerken. Die „alte Kanne“ wurde von Grund auf gesäubert, lose Lötstellen – die ich nie selbst hätte fixen können – hat Johannes ebenso perfekt wieder hinbekommen, wie das Spiel aus der klappernden und angerosteten Mechanik komplett verschwunden ist.Alle Klappen laufen so leicht, wie sie sollen, die Federn wurden weitestgehend durch neue, weniger martialische, dafür aber umso ausgewogenere Teile ersetzt. Die eingesetzten Polster verdienen endlich diese Bezeichnung wieder und liegen absolut dicht an. So ist es eine Freude, dieses Horn zu spielen.
Das Impala von rechts
Welcome to the other side…
Besonderes Augenmerk ist noch auf ein Kleinod zu legen, das Johannes gezaubert hat: Die neue Daumenauflage am Oktavhebel. Die alte Plastikkappe war nun wirklich alles andere als der Hit, aber was ich hier sehe, lässt das Saxer-Herz lachen: Die neue, blitzblanke Messing-Kappe wurde mit winzigen Madenschrauben auf dem alten Unterbau befestigt. Nicht nur, dass das super angenehm in der Hand liegt, durch die kleinen Schrauben kann sogar die Position der Ablage feinjustiert und damit exakt auf den Oktavhebel abgestimmt werden. Einfach genial. Sollte er sich patentieren lassen…
Die Daumenablage
Eine kleine aber feine Meisterleistung!

Schließlich sei noch erwähnt, dass bereits die nächste Fleißarbeit bei ToKo und Johannes lagert: Jeweils ein Pennsylvania Special Alto (eigentlich ein Keilwerth-Stencil) und ein Straight Neck Conn C-Melody in Bare Brass (also unlackiert) warten darauf, wieder Töne von sich geben zu dürfen. Und dann natürlich dauerhaft in meine Sammlung einzuziehen…

Seelentröster auf Silberscheibe

Nicht erst seit gewissen jüngeren Workshop-Erlebnissen sind mir die Playbacks zum Improvisieren von Tunesday Records liebe Begleiter geworden. Nach einigen Sessions mit diesen Scheiben habe ich aber nun meine Sammlung um das bisherige „Sahnestück“ erweitert:

Jazz + Blues von Tunesday RecordsDie Jazz Vol. 3 „Jazz-Blues“ liefert 16 absolut hochklassige Playbacks, zu denen sich ganz fantastisch „grooven“ lässt. Ob allein oder zu mehreren, ob mit Saxophonen oder auch weiterer instrumentaler Unterstützung – mit dieser Scheibe geht unglaublich viel, und vor allem wird sie nicht langweilig, weil jedes Stück seinen eigenen Charakter hat.

Die Bonus Tracks lehnen sich teilweise an bekannte Standards an, die man – wenn man sie erst mal erkannt hat – darauf sogar sehr gut spielen könnte…

…wenn man das denn will, denn eigentlich geht es hier um Improvisation, und da kann man sich nun wirklich austoben. Die Tonarten sind i.d.R. im Booklet angegeben, so dass allzuviel ausprobieren auch dem nicht mit einem absoluten Gehör Gesegneten erspart bleibt. Allerdings sind die Tonarten auch nicht so abgefahren gewählt, dass man nicht einfach von selbst drauf kommen könnte. Auf manchem Treffen haben wir jedenfalls auch ohne Blick in die Booklets zu diesen CDs gut loslegen können.

Die einzige wünschenswerte Erweiterung wären noch längere Tracks oder die Möglichkeit, die Tracks als Loop zu schalten – aber ein paar gute Gründe für die Unersetzlichkeit einer echten Rhythm-Section muss es ja auch weiterhin geben.

Aufnahmetechnisches…

Der Saxwelt-Workshop brachte es an den Tag: Zu Spaß mit dem Instrument gehört auch, diesen Spaß gelegentlich für mich selbst oder andere Interessierte zu konservieren.

Bislang hieß das meistens, dass ich mein MacBook bemühen musste, um mittels angeschlossenem USB-Mikrofon (Samson C01U) und GarageBand hoffentlich brauchbare Tracks zu erzeugen. Das funktioniert sehr gut, bedeutet aber einiges an Material das zusätzlich zum Sax transportiert werden muss.

Nun hatte ein netter Saxwelt-Kollege auf dem Workshop ein ziemlich geniales Spielzeug dabei: Den Boss Micro BR. Ich hatte schon gehört, dass es sowas gibt, aber nie live gesehen geschweige denn Aufnahmen davon bewusst wahrgenommen. Unglaublich – das Ding ist ein Aufnahmestudio im Taschenformat. Zugegeben, mit technischen Beschränkungen aufgrund der geringen Größe, aber so unglaublich vielseitig, dass es mir buchstäblich die Schuhe ausgezogen hat (keine Angst, sind wieder angezogen und es ist auch keiner umgefallen…).

Das Ende vom Lied ist natürlich mal wieder eine Belastung des Musik-Budgets: Ein Micro BR muss her. Woher, das weiß ich schon – nur bestellen muss ich ihn noch. Praktischerweise bietet Thomann das Ding als Bundle zusammen mit Kopfhörer und Micro an (das integrierte Micro ist gut, ein externes ist besser…). Mglw. bestell ich gleich einen E-Bass mit, denn das Teil hat eine Gitarrenklinke als zusätzlichen Input. Wirklich gut überlegt…

Es besteht also die (wahlweise) Gefahr bzw. Hoffnung, dass demnächst hier wieder Aufnahmen erscheinen werden. Die von früher musste ich ja leider wieder offline nehmen.

Die Leiche Reloaded

…oder auch: Die Mumie kehrt zurück!

Im ersten Anlauf hatte ich mich noch an einem unbekannten Sax versucht, das zu allem Überfluss auch noch Reparaturbedarf mit sich brachte, den ich nicht zu lösen im Stande war.

Nun wird alles anders. Streng nach dem Motto „einem geschenkten Gaul…“ habe ich auf ein geschenktes Sax auch nicht sonderlich intensiv geschaut sondern mich primär gefreut. Sekundär wurde dann mal der Koffer geöffnet – erwartungskonform schlug dort zunächst ein „Duft“ heraus, der zumindest dem Transportbehältnis selbst schon jetzt ein zeitnahes Ende verheißt. An dem Ding ist nichts zu retten…

Spannender ist hingegen der Inhalt – ein gewissermaßen alter und allerorten anzutreffender Bekannter: Ein Weltklang Tenorsaxophon. So schwarz wie nur irgendetwas verkündet dieses Gerät „ich bin versilbert, und das mit Anlauf“ – aber was ist das? Da sind ja sogar erkennbar nagelneue Pads in den Klappen! Schwarze Känguruhs sogar! Na genial…

…allerdings ist das Sax auch noch „geplatzt“ = im wesentlichen in seine Teile zerlegt. Sowas fixt man nicht „mal eben“. Testweise hab ich mal etwas Polierpaste darübergejagt, und oh Wunder, aus dem Schwarz wird tatsächlich verhaltener Silberglanz. Nicht schlecht. Es zeigt sich aber auch, dass das Instrument haufenweise kleinere und mittlere Macken hat – also eindeutig ziemlich herumgekommen ist. Das könnte bedeuten, dass es nicht ganz schlecht war – oder aber auch einfach nur, dass der frühere Besitzer keine Wahl hatte, als es zu benutzen. Hoffen wir das beste und erwarten das schlimmste…

Nur Geduld. In den nächsten Tagen gibt’s Fotos und eine erste Bestandsaufnahme. Zwei kleine Fehlteile sind schon identifiziert, diese werden wahrscheinlich aus Gründen, die andernorts noch zu erklären sein werden, gerade bei ToKo ruhen.

Jedenfalls erscheint diese alte Kanne reparabel – eine bezahlte Generalüberholung reinzustecken wird sich kaum rechnen, aber da ein Teil der Arbeit schon erledigt ist und das Ding immerhin „für umme“ kam, kann ich ja ausser ein wenig Zeit nichts verlieren. Beste Voraussetzungen.

Eine Hammer-Woche…

Lange hat’s gedauert – ich bin ja nun schon eine ganze Weile Teammitglied bei Saxwelt, und der nun schon seit drei Jahren alljährlich von Smatjes organisierte Workshop ist bereits annähernd legendär. Und dieses Jahr war es endlich soweit: Nach intensivem Termingeschubse konnte ich auch teilnehmen.

Kurz und bündig: Es hat sich mehr als gelohnt!

Die BurgDer diesjährige Saxwelt-Workshop fand auf der Jugendburg Ludwigstein in Witzenhausen (Nähe Göttingen) statt. Die in eine historische Burg integrierte Jugendherberge mit ihrem riesigen Platzangebot und den gegeneinander schön abgeschirmten Räumen gab für alle Workshop-Teile eine ebenso angenehme wie stilvolle Kulisse her.

Ich will hier nicht sämtliche Inhalte des WS im Detail beschreiben, denn dazu – und für das nötige Bildmaterial – ist Saxwelt der geeignete Ort. Aber einige Dinge haben eben doch ihren bleibenden Eindruck hinterlassen.

Zu allererst ist hier natürlich Hans-Werner „Steamersound“ Peters zu nennen, der mir einen ganz besonderen Leckerbissen mitgebracht hatte: Den allerersten Prototypen eines Sopran-Steamers!!! Das Ding war noch nicht mal auf der Poliermaschine – ich musste es ihn aus seinen gerade den letzten Schliff anlegenden Händen reißen. Dann ab damit auf mein inzwischen sehr liebgewordenes Prestini „Classic Pro“ Sopran, und… BOAH EY! Was ein Sound. Offen, warm, klar wo er klar sein soll, rund wo er rund sein muss – einfach ein Traum, und das auf einem „Schuss ins Blaue“, denn Hans hatte nicht ständig ein Sopran zum Testen im Zugriff.

Anfangs gab’s noch ein kleines Problem mit der passenden Blattschraube – immerhin basiert das Sopran-Steamer in der aktuellen Form nicht auf einem Sopran-Mundstück, denn Brilhart baut keine solchen. HWP hat sich eines Brilhart-Klarinettenmundstücks bedient und dieses aufwändig umgeschliffen und zum Steamer verbaut. Eine absolute Meisterleistung! Die Blattschraube haben wir dann kurzerhand durch ein „Kettenhemd“ (Olegature von Rico) ersetzt. 2,5er Rigotti Regal Queens drauf, und „lass gehen, Kapelle!“

Fein war, das der Workshop u.a. durch Yamaha, Jupiter und Keilwerth unterstützt wurde – so war ich beim Testen nicht auf mein Prestini beschränkt, sondern konnte insb. je ein sehr schönes Jupiter Artist Series und Yamaha EX Sopran testen. Beides traumhaft schöne Instrumente, die jedes ihren eigenen Charakter entfalten, was mich als bekennendem Yamaha-Skeptiker besonders angenehm überrascht hat, sind die Yamahas doch für absolut perfekte Technik und exakte Intonation bekannt, aber oft wegen der fehlenden „Seele“ kritisiert.

Zur Ehrenrettung von Yamaha sei gesagt, dass die Kritik sich in aller Regel auf die weit verbreiteten Serien für Schüler und Intermediate bezieht – da ist allerdings genau die Exaktheit wichtig, damit der Fehler beim Lernenden und nicht beim Lernwerkzeug liegt. Die Custom-Modelle haben eine völlig andere Philosophie… …und das merkt man beim Anspielen sofort.

Was m.E. nicht nötig gewesen wäre, war die Auslage der Listenpreise – die sind ohnehin völlig unrealistisch, ziehen einem aber auch wirklich die Schuhe aus. Gemessen am Listenpreis und der „gefühlten“ Performance brauchten sich die Jupiter Instrumente jedenfalls im Vergleich nicht zu verstecken – sie hatten ihre eigenen Qualitäten, und die Artist Serie heißt nicht umsonst so. Diese Instrumente sind geeignet, den letzten Vorbehalt vor Taiwan-Instrumenten zu verlieren.

Schön auch, was Keilwerth mitbrachte, wenn auch leider nur zum letzten vollen WS-Tag. So konnte ich mein SX90R Tenor (ab sofort Codename „Dampframme“) mal gegen das Shadow spielen, und bin nochmal mehr überzeugt, dass ich das für mich richtige Horn zuhause habe. Ein nettes Alto war noch dabei, das so neu war dass es noch keine Preise dafür gab – spielte sich genial, ernüchternd war aber die Info, dass von diesem Horn das allermeiste in China gebaut wird – völlig Un-Keilwerth, wenn man mich fragen wollte…

Was mir fehlte, war ein schönes Keili-Sopran. Das hätte bestimmt mit dem Steamer-Prototyp Laune gemacht. Aber so ist das Leben. Ebenfalls fast schon sträflich: Im Gespräch kam die Info raus, dass es ein SX90R in unlackiert gibt!!! Das hätte ich natürlich liebend gern mal verglichen. Dürfte extrem vintage klingen… wer weiß, vielleicht ist es besser, wenn ich das Horn nie anteste, sonst komm ich am Ende noch ins Grübeln…

Eine tolle Arbeit lieferte auch wieder unser aller ToKo, der fast durchgehend zusammen mit seinem „Apprentice“ Johannes kleine und große Macken an den vorgelegten Hörnern identifizierte und behob, oder Tipps und Tricks zur Selbsthilfe und Fehlervermeidung gab. Seit einem kleinen Eingriff an der Gis-Klappe spielt mein Selmer Padless jetzt auch von oben bis unten durch… …ach, da hatte ich noch nicht detailliert drüber geschrieben? Kommt noch, hehe…

Jamsession

Unschlagbar waren die Jam-Session am Freitag abend und das Abschlusskonzert. Solche Momente dürften nie zu Ende gehen, und sie fanden zum Glück auch erst sehr spät ihre jeweiligen solchen. Es bleibt zu hoffen, dass die erzeugten Mitschnitte in Kürze ihren Weg auf Saxwelt finden – zum Glück mussten ja alle unterschreiben (wenn auch virtuell), dass sie mit der Veröffentlichung von Bild- und Tonmaterial einverstanden sind. Ich fiebere jedenfalls schon vor dem Schlusskonzertfilm…