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Was lange gärt…

…wird endlich Wut. Sagt man.

Dieses Blog hatte jetzt eine ganze Weile Pause und Gelegenheit zum Reifen (nein, es hat keine komischen pelzigen Stellen entwickelt) – aber nachdem ich nun geschlagene 1744 Spam-Kommentare beseitigt und eine Captcha-Abfrage installiert sowie WordPress auf die aktuelle Version und damit iPhone-Update-fähig gemacht habe, möchte ich die Sache reaktivieren.

Ein paar ermutigende Feedbacks in der Zwischenzeit von interessierten Saxern und solchen, die es werden wollen, haben mir gezeigt, dass der Wunsch nach „mehr“ immer noch da ist. Bei mir auch. Passt ja dann.

Es hat sich aber auch einiges getan seit dem letzten Posting. Tieftrauriges ebenso wie erfreuliches – und stimmungsabhängig werde ich beides hier anschneiden wenn sich die Gelegenheit ergibt. Der Pläne sind da jedenfalls einige:

– Das Selmer Padless soll mal wieder entstaubt werden – es gab einen sehr netten Kommentar von Wolf Codera, dem ich weiter nachgehen möchte, und ausserdem lacht mich das Ding einfach mal wieder an.

– Das Pennsylvania Special wünscht sich mehr Aufmerksamkeit – die soll es kriegen. Ich schulde einigen Interessenten noch Fotos.

– Ein zwischenzeitlich erfolgter Umbau hat mir ein vollwertiges Musikzimmer spendiert (ich brauch’s nicht mehr mit unvernünftigen Massen bunter Plastiksteine aus Dänemark zu teilen – nicht dass mir das was ausgemacht hätte, sind ja beides meine Hobbies…)

– Bei meinem Lieblings-Saxdoc liegt immer noch ein unvollständiges Conn Straight Neck C-Melody (genauso eins wie ich inzwischen voll restauriert mein Eigen nennen darf) welches wiederbelebt werden und an einen interessierten Saxer gehen soll.

Und dann gibt’s da sicher noch ein paar mehr Themen, die ich endlich mal anschneiden mag – in der Hoffnung, dass sie auf Interesse stoßen.

Übrigens habe ich nun auch meine allgemeinere Homepage ausgefegt und verbloggt – aber wer sich dafür interessiert, wird sie schon gefunden haben. Langsam verstehe ich WP und es scheint mich auch zu verstehen. Das macht Mut.

Neu verliebt in hohe Töne…

Ich hätt’s ja nicht für möglich gehalten – obwohl, doch, eigentlich schon, denn ich weiß ja, wen ich gefragt habe – aber ich habe mich sozusagen neu verliebt: In mein Sopran-Sax!

Jaja, ich weiß, man soll mit Begriffen wie „verliebt“ lieber sparsam umgehen, aber es ist schon ziemlich intensiv, was mich da gerade mit meinem kleinen schwarzen „Hochtöner“ verbindet. Hans-Werner Peters, der Meister der Steamer-Mundstücke, hat mich mit einem – nein, mit _DEM_ Sopran-Steamer beglückt.

Bislang hatte mein Prestini-Sopran immer einen schweren Stand, bin ich doch eigentlich dem Tenor verfallen und auf diesem auch schon lange be-Steamer-t. Für das Sop besaß ich bis dato „nur“ ein unsägliches Yamaha 4C, Selmer S80C* und ein 7er Otto Link STM, welches nach etwas Refacing für den Einsatz in der Kirchenmusik ganz passabel war – aber eben auch nicht mehr.

Auf dem letzten Saxwelt-Workshop hatte Hans dann erstmals einen Steamer-Prototyp für Sopran dabei – das Teil war bereits der Hammer – noch ohne abschließende Politur und weitere Verzierungen hatte ich es ihm aus den vom Schleifen verstaubten Fingern gerissen, vermittels eines „Kettenhemdes“ (Rico Olegature – für Alto!) ein 2,5er Queens Blatt darauf gefesselt und mich fortan nur noch unter Anwendung chirurgischer Mittel von diesem Superteil trennen lassen. Entsprechend heiß war ich auf das erste „Serien“-Modell (sofern man bei Hans überhaupt von „Serie“ sprechen mag, ist doch jedes Steamer Maßanfertigung für den Empfänger…).

Was soll ich sagen, ich bin von den Socken! Das – wie bei Hans üblich mit Zertifikat gelieferte – Steamer ist der absolute Hammer. Mit der für mich absolut idealen 0.70er Öffnung ist es mit einem 2,5er Blatt problemlos spielbar, mit einem 2er (Barre bzw. Rigotti Regal Queens) geht es bombensicher auch bis in die Palm Keys hinauf ohne zu kieksen oder abzuschmieren. Der Sound ist Steamertypisch „fett“ und rund, fast glaubt man, eher ein Alto als ein Sopran-Sax in der Hand zu haben, so voluminös ist der Ton. Was natürlich ein Produkt der wirklich ideal angepassten Kammer ist.

Fotos und Soundbeispiele muss ich erst noch produzieren, nach jeweils einer einstündigen Session mit dem Mundstück gestern und heute muss ich erst einmal meiner Begeisterung Luft machen, dann geht’s an die Details.

Interessante Anfragen…

Ich find’s ja toll – seitdem ich mehr oder weniger regelmäßig meine Erfahrungen mit dem Saxophon veröffentliche, bekomme ich die verschiedensten Anfragen zu diesem Thema. Einerseits bestätigt mich das darin, mit diesen Seiten und meinen Aktivitäten auf Saxwelt weiterzumachen, andererseits zeigt es mir, dass ich mal ein oder zwei Dinge erklären sollte:

Ich bin kein Sax-Doc. Jemand, der professionell Saxophone repariert, muss das als Beruf („Holzblasinstrumentenbauer“ bzw. „Holzblasinstrumentenmacher“) erlernt haben. Wer den Beruf nicht im Wege der dafür vorgesehenen Ausbildung erlernt hat, muss deswegen nicht unfähig sein – aber nach meinem Kenntnisstand gehört zu einem Reparaturbetrieb in diesem Beruf in Deutschland nach wie vor der Meisterzwang. Was gut ist, wenn man sich die Ergebnisse der Arbeiten dieser Leute anschaut und anhört.

Ich kann also dementsprechend zwar gern die Tipps und Tricks, die ich selber im Laufe der Zeit aufgeschnappt habe, anwenden und auch weitergeben – aber genauso wie die Geschichte von der „Leiche im Keller“ gezeigt hat, dass ich selbst kein komplettes Horn wieder ganz bekomme, kann ich eben nur Anregungen und Hinweise geben, und nicht die ultimative Lösung. Vieles, was ich inzwischen lernen durfte, ist aber andererseits soweit erprobt, dass ich es nicht fair fände, das Wissen nur für mich zu behalten.

Gleiches gilt für Kaufempfehlungen und -erfahrungen: Bis auf ein einziges Saxophon habe ich alle meine Instrumente bislang gebraucht gekauft, ungefähr hälftig über gute Bekannte und Beziehungen und über ein bekanntes Internet-Auktionshaus. Ein Saxophon-Gutachter bin ich deswegen noch lange nicht, nehme aber für mich in Anspruch, inzwischen einigermaßen gut beurteilen zu können, ob ein angebotenes Saxophon längerfristig Freude bringen wird und vor allem, ob es den geforderten Preis zumindest in Ansätzen wert ist.

Das bedeutet, dass ich auch weiterhin an mich herangetragene Fragen aus diesem Feld gern beantworte, allerdings muss ich jegliche Haftung für meine Antworten von vornherein ablehnen. Ich gebe nur meine persönlichen Erfahrungen wieder und verdiene auch nichts damit – wenn ich das wollte, bräuchte ich mehr als nur Erfahrung und – hoffentlich – gesunden Menschenverstand.

Für diejenigen, die mich fragen möchten: Bitte denkt bei Euren Anfragen daran, dass ich ohne einen Link zur fraglichen Auktion oder Fotos des betreffenden Saxophons schonmal rein gar nichts sagen kann. Außerdem ist für eine Bewertung unglaublich wichtig, möglichst genau den Hersteller, das Modell und möglichst auch die Seriennummer des fraglichen Instruments zu kennen. Jegliche Hinweise auf Fehler oder Defekte sind ebenfalls wichtig, da ich inzwischen für einige gängige Fehler einschätzen kann, was deren Behebung kosten kann.

Allerdings gibt es auch kein „Rezept“: Genauso wie vier Saxophonisten (oder Sax-Docs) ein Saxophon mit vier unterschiedlichen Wertansätzen betrachten werden, gibt es auch für Reparaturen oder Überholungen keine amtliche Preistabelle. Ich habe sehr gute „normale“ Generalüberholungen für 300 EUR erlebt, andere machen ebenfalls sehr gute Arbeit, berechnen aber mglw. 1000 EUR dafür. Ein Kostenvoranschlag des in Erwägung gezogenen Betriebs ist also trotz aller Voreinschätzungen unverzichtbar. Dieser Kostenvoranschlag sollte aber auch eine sog. „worst case“ Betrachtung sein – also „wieviel kostet es im schlimmsten Fall“. Für uns als Kunden ist nichts ärgerlicher, als wenn der Reparateur nach 2/3 oder gar Abschluss der Arbeiten „nachkartet“, und eine viel dickere Rechnung präsentiert. Und eine „verschenkte“ Kostenvoranschlagspauschale ist dann manchmal sogar noch akzeptabel, wenn eine Zweitmeinung eine bessere Prognose ergibt.

Übrigens habe ich noch eins gelernt: Es gibt fast kein Saxophon, das ein komplett hoffnungsloser Fall wäre. Es gibt allerdings relativ viele Instrumente, die im Wiederverkaufswert zwischen „gerade noch spielbar“ und „frisch überholt“ nur so geringe Unterschiede haben, dass eine Generalüberholung sich nur dann rechnet, wenn man das Instrument für den eigenen Gebrauch behalten möchte – dann hat man nämlich auch sehr lange etwas von der hineingesteckten Arbeit (bzw. dem hineingesteckten Geld). Und bei einem angeblich frisch überholten Saxophon, das nicht einmal den bereits genannten Preis für eine ordentliche Generalüberholung kosten soll (demnach das Instrument selber für „unter Null“ abgegeben wird) – nun ja, da ist halt irgendetwas nicht in Ordnung und sollte hinterfragt werden.

Was die gemachte Einschränkung „fast“ betrifft: Schaut man sich besagtes Internet-Auktionshaus oder die „Einsteigerangebote“ größerer Musikalienhändler an, gibt es in letzter Zeit zunehmend sehr billige neue Saxophone im Angebot. Diese stammen fast ausnahmslos aus China und sind zumindest dem ersten Anschein nach Kopien der Instrumente namhafter Hersteller. Gut eingestellt mögen sie sogar eine ganze Weile spielbar sein, ich habe sogar schon vereinzelt welche von den „billigen“ erlebt, die einigermaßen ordentlich klangen. Trotzdem macht der Preis Konzessionen an die Verarbeitungsqualität und das verwendete Material. Ein Instrument, das über Jahre hinweg mit wenig oder gar ohne Wartung auskommt, ist das aber definitiv nicht.

Was sich nicht gegen Saxophone aus China generell richtet. Einige Markenhersteller beziehen wesentliche Teile oder sogar vollständige Instrumente aus China, legen aber dann ganz andere Qualitätsmaßstäbe an und schicken auch ihre eigenen Leute zur Kontrolle hin. Ein solches Saxophon ist dann allerdings nicht für unter 300 EUR zu haben sondern kostet signifikant mehr.

Letztlich – auch wenn es manchem Einsteiger schwer fällt und das Geld auch nicht auf Bäumen wächst – darf der Motivationsfaktor nicht vergessen werden: Ein Sax für ein paar Euro zum „ausprobieren“ mag nicht besonders wehtun, und der Schaden ist auch nicht groß, weil man es meist für den Preis oder unwesentlich darunter wieder los wird. Es macht aber auch weniger Spaß, und wegen des geringen Risikos ist auch kein Leistungsdruck da. Gibt man hingegen eine ordentliche Summe (der Preis guter Saxophone liegt je nach Einkommenssituation schon mal ganz schnell bei einem Netto-Monatsgehalt, bei sehr guten noch weitaus höher) aus, dann lernt man, das Ding zu spielen – und wenn es einen umbringt!

Seelentröster auf Silberscheibe

Nicht erst seit gewissen jüngeren Workshop-Erlebnissen sind mir die Playbacks zum Improvisieren von Tunesday Records liebe Begleiter geworden. Nach einigen Sessions mit diesen Scheiben habe ich aber nun meine Sammlung um das bisherige „Sahnestück“ erweitert:

Jazz + Blues von Tunesday RecordsDie Jazz Vol. 3 „Jazz-Blues“ liefert 16 absolut hochklassige Playbacks, zu denen sich ganz fantastisch „grooven“ lässt. Ob allein oder zu mehreren, ob mit Saxophonen oder auch weiterer instrumentaler Unterstützung – mit dieser Scheibe geht unglaublich viel, und vor allem wird sie nicht langweilig, weil jedes Stück seinen eigenen Charakter hat.

Die Bonus Tracks lehnen sich teilweise an bekannte Standards an, die man – wenn man sie erst mal erkannt hat – darauf sogar sehr gut spielen könnte…

…wenn man das denn will, denn eigentlich geht es hier um Improvisation, und da kann man sich nun wirklich austoben. Die Tonarten sind i.d.R. im Booklet angegeben, so dass allzuviel ausprobieren auch dem nicht mit einem absoluten Gehör Gesegneten erspart bleibt. Allerdings sind die Tonarten auch nicht so abgefahren gewählt, dass man nicht einfach von selbst drauf kommen könnte. Auf manchem Treffen haben wir jedenfalls auch ohne Blick in die Booklets zu diesen CDs gut loslegen können.

Die einzige wünschenswerte Erweiterung wären noch längere Tracks oder die Möglichkeit, die Tracks als Loop zu schalten – aber ein paar gute Gründe für die Unersetzlichkeit einer echten Rhythm-Section muss es ja auch weiterhin geben.

Aufnahmetechnisches…

Der Saxwelt-Workshop brachte es an den Tag: Zu Spaß mit dem Instrument gehört auch, diesen Spaß gelegentlich für mich selbst oder andere Interessierte zu konservieren.

Bislang hieß das meistens, dass ich mein MacBook bemühen musste, um mittels angeschlossenem USB-Mikrofon (Samson C01U) und GarageBand hoffentlich brauchbare Tracks zu erzeugen. Das funktioniert sehr gut, bedeutet aber einiges an Material das zusätzlich zum Sax transportiert werden muss.

Nun hatte ein netter Saxwelt-Kollege auf dem Workshop ein ziemlich geniales Spielzeug dabei: Den Boss Micro BR. Ich hatte schon gehört, dass es sowas gibt, aber nie live gesehen geschweige denn Aufnahmen davon bewusst wahrgenommen. Unglaublich – das Ding ist ein Aufnahmestudio im Taschenformat. Zugegeben, mit technischen Beschränkungen aufgrund der geringen Größe, aber so unglaublich vielseitig, dass es mir buchstäblich die Schuhe ausgezogen hat (keine Angst, sind wieder angezogen und es ist auch keiner umgefallen…).

Das Ende vom Lied ist natürlich mal wieder eine Belastung des Musik-Budgets: Ein Micro BR muss her. Woher, das weiß ich schon – nur bestellen muss ich ihn noch. Praktischerweise bietet Thomann das Ding als Bundle zusammen mit Kopfhörer und Micro an (das integrierte Micro ist gut, ein externes ist besser…). Mglw. bestell ich gleich einen E-Bass mit, denn das Teil hat eine Gitarrenklinke als zusätzlichen Input. Wirklich gut überlegt…

Es besteht also die (wahlweise) Gefahr bzw. Hoffnung, dass demnächst hier wieder Aufnahmen erscheinen werden. Die von früher musste ich ja leider wieder offline nehmen.

Eine Hammer-Woche…

Lange hat’s gedauert – ich bin ja nun schon eine ganze Weile Teammitglied bei Saxwelt, und der nun schon seit drei Jahren alljährlich von Smatjes organisierte Workshop ist bereits annähernd legendär. Und dieses Jahr war es endlich soweit: Nach intensivem Termingeschubse konnte ich auch teilnehmen.

Kurz und bündig: Es hat sich mehr als gelohnt!

Die BurgDer diesjährige Saxwelt-Workshop fand auf der Jugendburg Ludwigstein in Witzenhausen (Nähe Göttingen) statt. Die in eine historische Burg integrierte Jugendherberge mit ihrem riesigen Platzangebot und den gegeneinander schön abgeschirmten Räumen gab für alle Workshop-Teile eine ebenso angenehme wie stilvolle Kulisse her.

Ich will hier nicht sämtliche Inhalte des WS im Detail beschreiben, denn dazu – und für das nötige Bildmaterial – ist Saxwelt der geeignete Ort. Aber einige Dinge haben eben doch ihren bleibenden Eindruck hinterlassen.

Zu allererst ist hier natürlich Hans-Werner „Steamersound“ Peters zu nennen, der mir einen ganz besonderen Leckerbissen mitgebracht hatte: Den allerersten Prototypen eines Sopran-Steamers!!! Das Ding war noch nicht mal auf der Poliermaschine – ich musste es ihn aus seinen gerade den letzten Schliff anlegenden Händen reißen. Dann ab damit auf mein inzwischen sehr liebgewordenes Prestini „Classic Pro“ Sopran, und… BOAH EY! Was ein Sound. Offen, warm, klar wo er klar sein soll, rund wo er rund sein muss – einfach ein Traum, und das auf einem „Schuss ins Blaue“, denn Hans hatte nicht ständig ein Sopran zum Testen im Zugriff.

Anfangs gab’s noch ein kleines Problem mit der passenden Blattschraube – immerhin basiert das Sopran-Steamer in der aktuellen Form nicht auf einem Sopran-Mundstück, denn Brilhart baut keine solchen. HWP hat sich eines Brilhart-Klarinettenmundstücks bedient und dieses aufwändig umgeschliffen und zum Steamer verbaut. Eine absolute Meisterleistung! Die Blattschraube haben wir dann kurzerhand durch ein „Kettenhemd“ (Olegature von Rico) ersetzt. 2,5er Rigotti Regal Queens drauf, und „lass gehen, Kapelle!“

Fein war, das der Workshop u.a. durch Yamaha, Jupiter und Keilwerth unterstützt wurde – so war ich beim Testen nicht auf mein Prestini beschränkt, sondern konnte insb. je ein sehr schönes Jupiter Artist Series und Yamaha EX Sopran testen. Beides traumhaft schöne Instrumente, die jedes ihren eigenen Charakter entfalten, was mich als bekennendem Yamaha-Skeptiker besonders angenehm überrascht hat, sind die Yamahas doch für absolut perfekte Technik und exakte Intonation bekannt, aber oft wegen der fehlenden „Seele“ kritisiert.

Zur Ehrenrettung von Yamaha sei gesagt, dass die Kritik sich in aller Regel auf die weit verbreiteten Serien für Schüler und Intermediate bezieht – da ist allerdings genau die Exaktheit wichtig, damit der Fehler beim Lernenden und nicht beim Lernwerkzeug liegt. Die Custom-Modelle haben eine völlig andere Philosophie… …und das merkt man beim Anspielen sofort.

Was m.E. nicht nötig gewesen wäre, war die Auslage der Listenpreise – die sind ohnehin völlig unrealistisch, ziehen einem aber auch wirklich die Schuhe aus. Gemessen am Listenpreis und der „gefühlten“ Performance brauchten sich die Jupiter Instrumente jedenfalls im Vergleich nicht zu verstecken – sie hatten ihre eigenen Qualitäten, und die Artist Serie heißt nicht umsonst so. Diese Instrumente sind geeignet, den letzten Vorbehalt vor Taiwan-Instrumenten zu verlieren.

Schön auch, was Keilwerth mitbrachte, wenn auch leider nur zum letzten vollen WS-Tag. So konnte ich mein SX90R Tenor (ab sofort Codename „Dampframme“) mal gegen das Shadow spielen, und bin nochmal mehr überzeugt, dass ich das für mich richtige Horn zuhause habe. Ein nettes Alto war noch dabei, das so neu war dass es noch keine Preise dafür gab – spielte sich genial, ernüchternd war aber die Info, dass von diesem Horn das allermeiste in China gebaut wird – völlig Un-Keilwerth, wenn man mich fragen wollte…

Was mir fehlte, war ein schönes Keili-Sopran. Das hätte bestimmt mit dem Steamer-Prototyp Laune gemacht. Aber so ist das Leben. Ebenfalls fast schon sträflich: Im Gespräch kam die Info raus, dass es ein SX90R in unlackiert gibt!!! Das hätte ich natürlich liebend gern mal verglichen. Dürfte extrem vintage klingen… wer weiß, vielleicht ist es besser, wenn ich das Horn nie anteste, sonst komm ich am Ende noch ins Grübeln…

Eine tolle Arbeit lieferte auch wieder unser aller ToKo, der fast durchgehend zusammen mit seinem „Apprentice“ Johannes kleine und große Macken an den vorgelegten Hörnern identifizierte und behob, oder Tipps und Tricks zur Selbsthilfe und Fehlervermeidung gab. Seit einem kleinen Eingriff an der Gis-Klappe spielt mein Selmer Padless jetzt auch von oben bis unten durch… …ach, da hatte ich noch nicht detailliert drüber geschrieben? Kommt noch, hehe…

Jamsession

Unschlagbar waren die Jam-Session am Freitag abend und das Abschlusskonzert. Solche Momente dürften nie zu Ende gehen, und sie fanden zum Glück auch erst sehr spät ihre jeweiligen solchen. Es bleibt zu hoffen, dass die erzeugten Mitschnitte in Kürze ihren Weg auf Saxwelt finden – zum Glück mussten ja alle unterschreiben (wenn auch virtuell), dass sie mit der Veröffentlichung von Bild- und Tonmaterial einverstanden sind. Ich fiebere jedenfalls schon vor dem Schlusskonzertfilm…

Ein Traum wird wahr…

Ich habe es gefunden – das, was jeder angehende oder fortgeschrittene Saxophonist irgendwann anfängt, zu suchen, aber nur sehr schwer findet: „Mein“ Saxophon.

Naja, eigentlich war es jetzt nicht soooo schwer, die richtige Wahl zu treffen – bin ich doch den Saxophonen der Firma Julius Keilwerth schon direkt zu Anfang meiner autodidaktischen Bemühungen verfallen. Aber wie es der Zufall wollte, hatte mein Sax-Lehrer just jetzt ein Tenorsaxophon zuviel in seiner Sammlung, und genau das Modell, was man für den deutschen Saxophonbau mit Fug und Recht als „State of the Art“ bezeichnen darf: Das Keilwerth SX90R.

Das SX90R von rechts
So sieht ein Traum-Sax aus, wenn man es gefunden hat…
„Das“ ist eigentlich nicht fair – gibt es das SX90R doch in mehreren Modellvarianten, die alle unzweifelhaft ihren Reiz haben. Ich hatte schon vor längerer Zeit mal ein SX90R „Shadow“ (das ist die Variante mit Neusilber-Korpus und sehr aufwändiger Schwarzvernickelung, Gravur und schwarzen Perlmutt-Auflagen – neben einem brandgenialen Sound ein echter Hingucker) probegespielt. Auch das Neusilber „ohne Shadow“ ist absolut eine Klasse für sich, und weitere Varianten wie das „Vintage“ sind ebensowenig zu verachten.Aber ein Sax kauft man nicht „von der Stange“. Und dieses hier stammt auch nicht von der selbigen – vielmehr wurde es vor über 10 Jahren bei Keilwerth direkt aus den vorhandenen Austellungsinstrumenten ausgewählt („…und das war das, welches am besten abging!“) Na mir soll’s recht sein. Jedenfalls fiel es mir schon nach dem ersten Anspielen nicht schwer, die Wahl komplett nachzuvollziehen. Zusammen mit meinem Lieblings-Mundstück („The Steamer“ von Hans-Werner Peters) geht das Ding butterweich los, mit dem Brilhart LevelAir Metal ist es in den Höhen brillant und eine echte Rakete.

Dass es nicht schlecht sein konnte, sah man ihm beim Auspacken schon an – ich hatte bislang schon einige viel gespielte Instrumente in der Hand, aber eins, das nach gerade mal gut 10 Jahren schon so aussah – keine Frage, dieses Sax hat einiges von der Welt (oder zumindest von manchen Bühnen) gesehen. Aber Optik ist nicht das, wofür man sich so ein Sax zulegt – wenn ich eine Show-Kanne hätte haben wollen, die gibt es für vergleichsweise überschaubares Geld an jeder Ecke. „Mein“ Sax muss einfach super laufen und meinen weiteren Lerneifer durch tadellose Funktion unterstützen. Ich will, dass ich meine Fehler erkennen und ansonsten meinen Sound produzieren kann – und nicht durch die zwei großen Hände voll Blech vor meiner Schnute eingeschränkt werden.

So kann ich also nach manchem Versuch und vielen Suchansätzen behaupten: Meine Suche ist – zumindest was das Tenorsaxophon angeht – zuende. Schade für alle, die vielleicht noch alte Conns, Bueschers, Martins oder auch Keilwerths haben, auf denen potenziell mein Name gestanden hätte – nach diesem hier kauf ich keins mehr. Wie mir ein lieber Kollege im Saxwelt-Chat bestätigte: Das ist ein geiles Gefühl, wenn man diesen Punkt erreicht hat.

Alles neu…

Nach ungefähr vier Jahren wurde es Zeit, diese Site massiv zu überarbeiten.

Die alte Version der Site gibt’s noch – und zwar hier.

Sobald ein passendes Theme gebaut wird, werden die alten Inhalte sukzessive hierher übernommen. Dann wird’s auch leichter mit der laufenden Seitenpflege.

Weiter viel Spaß beim Schmökern!

Jerry