Archiv der Kategorie: Die Leiche im Keller

Die Auferstehung eines schrottreif auf eBay erstandenen Tenorsaxophons

Die Leiche im Keller (Finale)

Tja, es ist schon eine ganze Weile her, dass ich der „Leiche“ das obligatorische Update zuteil werden ließ. Aber was lange gärt, wird endlich Wut (oder irgendwie so): Hier ist also das wiedererstandene „Impala“ Tenorsaxophon in seiner ganzen wiedergewonnenen Schönheit:

Das Impala von rechts
Das neu erstandene „Impala“
Von dem seinerzeit bei mir angekommenen, komplett korrodierten Sax ist nicht mehr viel zu bemerken. Die „alte Kanne“ wurde von Grund auf gesäubert, lose Lötstellen – die ich nie selbst hätte fixen können – hat Johannes ebenso perfekt wieder hinbekommen, wie das Spiel aus der klappernden und angerosteten Mechanik komplett verschwunden ist.Alle Klappen laufen so leicht, wie sie sollen, die Federn wurden weitestgehend durch neue, weniger martialische, dafür aber umso ausgewogenere Teile ersetzt. Die eingesetzten Polster verdienen endlich diese Bezeichnung wieder und liegen absolut dicht an. So ist es eine Freude, dieses Horn zu spielen.
Das Impala von rechts
Welcome to the other side…
Besonderes Augenmerk ist noch auf ein Kleinod zu legen, das Johannes gezaubert hat: Die neue Daumenauflage am Oktavhebel. Die alte Plastikkappe war nun wirklich alles andere als der Hit, aber was ich hier sehe, lässt das Saxer-Herz lachen: Die neue, blitzblanke Messing-Kappe wurde mit winzigen Madenschrauben auf dem alten Unterbau befestigt. Nicht nur, dass das super angenehm in der Hand liegt, durch die kleinen Schrauben kann sogar die Position der Ablage feinjustiert und damit exakt auf den Oktavhebel abgestimmt werden. Einfach genial. Sollte er sich patentieren lassen…
Die Daumenablage
Eine kleine aber feine Meisterleistung!

Schließlich sei noch erwähnt, dass bereits die nächste Fleißarbeit bei ToKo und Johannes lagert: Jeweils ein Pennsylvania Special Alto (eigentlich ein Keilwerth-Stencil) und ein Straight Neck Conn C-Melody in Bare Brass (also unlackiert) warten darauf, wieder Töne von sich geben zu dürfen. Und dann natürlich dauerhaft in meine Sammlung einzuziehen…

Die Leiche im Keller (7)

Eigentlich ist es ja ein bisschen unfair, die Auflösung des Ganzen erst jetzt zu schreiben – aber es war einfach zuviel los in der Zwischenzeit und so war es mir nicht eher vergönnt:

Wie soll ich sagen – die Leiche wurde wieder erweckt!

ToKo und sein fleißiger Azubi Johannes haben die als Puzzle übermittelte alte Kanne tatsächlich nicht nur von Grund auf gereinigt, gepolstert und geölt, das Sax ist auch so sauber justiert, dass es mit einem wunderbar warmen Ton von oben bis unten butterweich anspricht. Mit einem entsprechenden Mundstück kann es zwar auch frech, aber genau der dunkle Ton, von dem ich zarte Andeutungen ja schon beim Test im ursprünglichen, erbarmungswürdigen Zustand herausbekam, ist genau das, weshalb ich das alte Schätzchen wieder klingen hören (und lassen) wollte.

Na los, fragt schon – warum hab ich mir trotz der wiedererstandenen „Leiche“ noch mein „Traumsax“ gekauft? Habe ich nichts besseres zu tun, als Koffer unterm Gästebett zu sammeln?

Naja, der Punkt ist – mein Traumsax ist ein Keilwerth, und ein Keilwerth bleibt ein Keilwerth. Die Ex-Leiche ist ein – nun, wir wissen es bis heute nicht sicher. Alle Indizien sprechen inzwischen nach einhelliger Meinung vieler Befragter für ein umgraviertes Orsi. Von den Dingern gab es wohl mal ziemlich viele verschiedene Ausprägungen mit ganz vielen fantasievollen Namen. Einige davon tauchen gelegentlich auf eBay (meist .com) auf, man muss aber schon Glück haben, es zu finden. Der auf meinem eingravierte Name „Impala“ hingegen ist bislang einzigartig.

Es bleibt jedoch alles in allem ein Saxophon von eher durchschnittlicher Verarbeitungsqualität, und in puncto Sound ist es zwar für Alter und Zustand beeindruckend, aber eben doch Welten von einem guten Keili entfernt. Immerhin macht es ein ganz hervorragendes „Reserve-Tenor“, und damit habe ich Grund genug, es nach der langen Vorgeschichte auch zu behalten.

Übrigens ist es nicht mein letztes Tenor – aber auf das legendäre Selmer „Padless“ komme ich demnächst nochmal im Detail zu sprechen…

Die Leiche im Keller… (6)

Gleich vorweg, nach langer Pause folgt ein Update, und es ist ein Update ohne Bilder…

Der „Leiche“ haben wir’s bislang tüchtig gegeben – nach einigen wenigen kurzen und heftigen Sitzungen war aus einem vollständig spieluntauglichen Tenorsaxophon ein leidlich gereinigtes Saxophon-Puzzle geworden.

Ein gelegentlicher Besuch beim bereits erwähnten Freund Maik hätte ein ganz wesentliches Problem aus der Welt schaffen sollen: Das berüchtigte lockere Böckchen. Im Prinzip auch kein Problem, denn „nach fest kommt ab“, und nach locker schonmal gleich richtig. Das wie ein Lämmerschwanz wackelnde Teil war denn auch mittels einer halbwegs brauchbaren Lötgelegenheit schnell gelöst. Das erneute Anbringen gestaltete sich hingegen schwieriger. Meine eigenen Versuche waren ja schon kläglich vor die Wand gelaufen, aber Maik hatte einiges an Sax- und sonstigen Instrumentenschraubereien, und so hätte es lösbar sein sollen (respektive fixierbar – ich glaube, der Punkt wird klar…).

Nach einigen Versuchen entschieden wir uns, den Saxkorpus bei ihm zu lassen, so dass er mit richtigem Gerät ans Leder – oder hier halt ans Messing – gehen konnte. Ich wollte in der Zwischenzeit die Klappen ausmessen, damit ich mich mit dem nötigen Reparaturmaterial eindecken konnte.

Aus Tagen wurden Wochen – das Ende vom Lied war, dass das Böckchen immer noch lose neben dem Korpus im Koffer lag, die mehr oder minder ausgemessenen Klappen ausgemessen blieben (weil Maik aus diversen Gründen seine Materialbestände veräußern und seinen Sax-Zubehör-Shop einstellen musste) und ich statt der ursprünglichen Leiche nunmehr einen Haufen Leichenteile mein Eigen nannte.

Die Rettung nahte dann in Form meines absoluten Lieblings-Saxdocs und guten Freundes ToKo. Er erfreut sich als Holzblasinstrumentenmachermeister (was ein Wort – dagegen klingt mein Ausbildungsabschluß wie eine Lachnummer) seit kurzem eines Auszubildenden, und ein ausgedehntes Telefonat mit Fachsimpeleien ergab, dass mein Sax-Puzzle genau das richtige Lehrobjekt sein könnte. So sitze ich seitdem auf der Wartburg und harre der Rückkehr eines dann – wenn auch außerplanmäßig unter Einsatz von Handwerkerkosten – restaurierten „Impala“.

Die Leiche im Keller… (5)

Der nächste Schritt kann eklig werden, vor allem, wenn man das noch nie versucht hat und generell eine gewisse Aversion gegen verbrannte Finger hat.

Rund um das, was vom Sax übrig ist, liegt ein Haufen Klappen voller schrecklich vergammelter alter Polster. Da hilft alles nichts – die müssen jetzt raus. Also einen ordentlichen Schuss Brennspiritus in die kleine „Lötlampe“, Feuer gelegt und ran an den Feind.

Kaum zu glauben – es gibt keine unerwarteten Komplikationen. Im Gegentum. Die teilweise angelaufenen und vergrünspanten Klappen sehen sogar etwas blanker aus, nachdem die Flamme der Lampe erst mal kräftig eingewirkt hat. Der verwendete Kleber ist allerdings auch schauerlich. Ist er nicht heiss genug, zieht er mehr Fäden als ein Käsefondue; ist er zu heiss, riecht es lecker… *urks* Die Ausdünstungen der Gammelpolster tun ihr übriges…

Leere Klappen

Volume „Empty“ is full…

Na denen haben wir’s aber gezeigt. Alle Klappen sind geleert, die wenigen Reste des üblen Klebers sind erstaunlich empfänglich für Abschabeversuche in erkaltetem Zustand. Also bruzzeln wir nicht weiter, sondern lassen die Klappen wieder abkühlen. Glück gehabt: Die Perlmutt-Einlagen (die aufgrund der z.T. unebenen Kanten wohl auch nicht mehr die Originalen sind) scheinen echt zu sein und haben sich von der Hitze der Spirituslampe nichts angenommen. Augenscheinlich sind sie auch mit irgendeinem recht Hitzeresistenten Teufelszeug eingeklebt. Da sie noch leben, gibt’s keinen Anlass, das weiter zu hinterfragen – sie bleiben unbehelligt wo sie sind.

Polsterschrott

Kaum zu glauben – soviele verschiedene Polstersorten in nur einem Sax

Der versammelte Polsterschrott treibt einem die Tränen in die Augen. Was ich da rausgeholt habe, stammt augenscheinlich aus mindestens drei Jahrzehnten und wurde da, wo es nicht nach Erstausrüsterqualität aussieht, offenbar eher schlecht als recht eingepasst. Die Maße für die neuen Polster nehme ich dann wohl doch lieber direkt an den Klappen…

Irgendwie ist es gut, dass es so schnell vorbei ist. Jetzt wird auch klar, warum ich noch Testtöne aus der Kanne herausbekam: Die vermutlichen Originalpolster waren so tief eingedrückt, dass sie die Tonlöcher nicht mehr abgedeckt sondern regelrecht umschlossen haben. Zum Zweck der besseren Maßbestimmung für die Ersatzpolster hebe ich das Ekelzeugs trotzdem mal noch ein paar Tage auf. Der Mülleimer freut sich schon.

Das Putzmaschinchen

Sub-Etha-Putzomatic

Zum Abschluss des Bastelabends kommt jetzt noch ein Probelauf mit dem Sub-Etha-Putzomatic (a.k.a. Discounter-Dremel). Die Billig-Polierfilze fusseln zwar wie Tier, leisten aber in Verbindung mit der Metallpolitur gute Arbeit. Das, was die Bezeichnung Lack noch verdient, weiss sogar noch, wie man glänzen schreibt – wenn’s nicht so traurig wäre, dass das Sax überhaupt diesen bedauernswerten Zustand erreicht hat, wär’s erfreulich.

Sorge macht mir noch das lockere Böckchen. Tests mit dem Brateisen zeigen, dass zum Anlöten solcher Teile doch etwas mehr gehört. Zum Glück muss ich eh mal wieder Maik besuchen… passend kommt eine Mail von ihm; wir bruzzeln das in seiner Werkstatt zurecht und ich kann direkt passende Federn, Kork, Kleber und Polster einkaufen. Bis dahin gibt’s noch mindestens einen weiteren Polierabend für den Korpus plus einen weiteren für die Klappen. Aber erst wenn das erste neue Polster klebt, glaube ich wirklich daran, dass das Instrument wieder erstehen wird…

Die Leiche im Keller… (4)

Heute machen wir uns an die „Leichenwäsche“ – zuvor sind zwar noch die beiden hartnäckigen Achsen zu demontieren, aber danach soll die olle Kanne wieder auf Hochglanz gebracht werden – im Rahmen des Möglichen zumindest…

Ein letzter Gruß

Ein letzter Detailblick…

Die Vorhersage traf zum Glück nicht ganz zu, die neuen Schraubendreher kosteten „nur“ 22 EUR (für 4 flache und 2 Kreuzschlitz-Dreher), sollen angeblich besonders stabil sein… da noch Budget übrig war, hab ich für meinen Aldi-Dremel-Clone noch einen Satz Schleif- und Poliereinsätze gekauft, mit Betonung auf „Polier-„, denn das ist das Hauptziel (ich hoffe, ich muss nicht doch eins der Trennscheibchen auf die beiden Achsen ansetzen…).

Geeignetes Werkzeug

Der kleine Unterschied zwischen Wühltisch und richtigem Werkzeug

Vor Arbeitsantritt spuken schon Ideen im Kopf, was die eigentliche Reinigung angeht. Handarbeit über alles, aber da waren diese hochinteressanten Erfolgsgeschichten von Saxophonen in der Spülmaschine… na ick weeß nich… immerhin ist der Korpus lackiert, und ob 60er-Jahre Lack sich mit 90er-Jahre-Geschirrspülern anfreunden kann?!?

Nackter Bogen

Achtung, Nacktfoto!

Eine Kleinigkeit fällt bei der Sichtkontrolle auf: M*st, eins der Böckchen wackelt – und zwar, weil das Blech darunter an einer Seite nicht mehr fest mit dem Korpus verbunden ist. Na toll – bislang dachte ich, die Sache geht ohne Löten aus, aber da der Rest des tragenden Bleches noch ziemlich solide wirkt, reicht vielleicht ein vorsichtiges anpunkten mit meinem Brateisen… da es dazu noch an einer zumindest einigermaßen sichtbaren Stelle wäre, möchte ich ungern den Lack noch mehr verhunzen als das der Zahn der zeit schon hinbekommen hat.

Uiuiui – das Sax ist geplatzt…

Erwähnenswerter Lichtblick bevor es losgeht: Das herauslösen von ca. der Hälfte der Polster kann ich mir sparen – die haben sich inzwischen von selbst verabschiedet. Da hielt nix mehr… nur noch den ekligen Kleber irgendwie aus den Klappen bekommen, aber lt. ToKo ist die allgegenwärtige Spirituslampe mein Freund…

Na dann ran an den Feind – die neuen Werkzeuge haben tatsächlich kurze Fünfe mit den störrischen Achsen gemacht. Durch blosse Zuhilfenahme von etwas Holzbläser-Öl (ich habe nicht ToKo’s Hausmarke genommen, es ging aber trotzdem) liessen sich die Achsen lockern und kamen schließlich frei. Höchst unerfreulicher Seiteneffekt der Oxidation von Eisen ist, dass das Produkt dieser Reaktion recht bröselig ist – oder zu gut deutsch, die beiden Starrköpfchen bedürfen nun des vorsichtigen Schnitts neuer Schraubschlitze, sollen sie jemals wieder eingesetzt werden (nochmal einsetzen ginge wahrscheinlich sogar so – aber sie dann wieder loskriegen schreit mindestens nach der berüchtigten Bohrlehre – oder dem Dremel…).

sieht nach Arbeit aus

Das sieht nach Arbeit aus!

Nach Abschluss der Freilegungsarbeiten wird das ganze Ausmaß der anstehenden Arbeit deutlich. Das schon entdeckte lose Böckchen bleibt zum Glück das einzige seiner Art. Das ändert nichts daran, dass die Feuchtigkeit, die die Achsen wunderschön sommerlich gebräunt hat, gleiches auch an einigen Stellen mit dem Lack zuwege brachte – nicht ohne den Polstern – oder was davon übrig war – eine dezente Schimmel-Note zu verpassen.

Schadensübersicht

Schadensübersicht

An den Kaminen zeigt sich z.T. ebenfalls Korrosion, von der noch festzustellen sein wird, wie stark sie die Ebenheit der Tonlöcher beeinträchtigt. Ich hoffe natürlich, eher weniger…

Die Leiche im Keller… (3)

Jetzt wird’s interessant. So ein Saxophon ist eine komplexe Maschine, und besteht aus einer schieren Unmenge von Einzelteilen.

Als erstes nehme ich mir also den S-Bogen vor – der hat eine überschaubare Detailtiefe und ist verhältnismäßig schnell und auch von weniger geübter Hand in einen benutzbaren Zustand zu versetzen. Die Grundreinigung erledigen Polierpaste („Autosol“), Spülmittel, eine alte Zahnbürste und zwei Flaschenbürsten (die so heissen, weil man sonst Babyflaschen damit sauber macht). Zunächst wird die Tropfsteinhöhle aus dem Inneren des Bogens entfernt. Was auch immer der selige Vorbesitzer dieses Instrumentes zu rauchen pflegte, es liesse sich aus diesen Relikten wahrscheinlich rekonstruieren. Schwamm drüber (naja, okay, „Bürste“).

S-Bogen

Der „unrenovierte“ S-Bogen

Nach Schrubben, wienern und Polieren geht es mit dem Bogen zu Maik (Woodwind24). Wir kleben bei einer Tasse Kaffee ein neues Polster ein. Gut – der Kork ist nicht mehr der Brüller, aber er hält noch, das Mundstück wackelt nicht, und ich habe einen S-Bogen, mit dem ich arbeiten kann.

Da auch der Ekelfaktor weg ist, rauf auf das Instrument mit dem Bogen, mein liebes Link N.Y. 8* drauf, und mit den wenigen Klappen, die noch dazu angetan sind, ihre Tonlöcher zu bedecken, mal probiert, was geht. Klingt nicht mal schlecht. Aus diesem Horn ist vielleicht doch noch was zu machen?

More Corrosion

Noch etwas Korrosion gefällig?

Na dann, runter mit der Mechanik. Zunächst puhlen wir die Klappenschutzbleche runter – das wird schon dadurch spannend, dass nicht alle Schrauben mehr wirklich schraubbar sind. Aber mit etwas Geduld geht’s noch so gerade. Zwei Schrauben überleben die Aktion dennoch nicht – Ersatz wird sich hoffentlich finden lassen.

Als nächstes sind die Palm-Keys dran – die sind handlich und leicht zu demontieren… denkste! Zwei sind ruckzuck gelöst, die rostigen aber noch stabilen Achsen wieder in ihrem Röhrchen geparkt und liegen stumm neben dem Sax. Die dritte Achse bewegt sich keinen Millimeter. M*st. Nun kommen die Limitierungen der 3,98-EUR-Wühltisch-Schraubendreher zum Tragen. Kraftübertragung ist irgendwie anders…

Fix me!

Der einzige Tisch, der sprechen kann: „Mach mich wieder ganz…“

Also erst mal weitersehen. Fast die gesamte übrige Mechanik ist in nur 20 Minuten abmontiert und fein säuberlich neben dem Instrument aufgereiht. Die Spitzschrauben und Achsen haben zwar Rost, leben aber noch. Zum guten Schluß bleiben noch die beiden großen Becherklappen (H und B bzw. B und Bb – je nachdem ob man’s lieber deutsch oder englisch liest…) – und wie üblich, ganz am Schluß muss ja nochmal was schiefgehen… die Achse macht keinen Mucks.

Reibungsverluste bis dahin: eine notdürftig aber zum Glück ohne Bruch zurechtgedengelte Oktavmechanik, ein Arsenal vergrünspanter Klappen mit angerosteten Achsen und rostigen Spitzschrauben, zwei gehimmelte Halteschrauben von den Klappenkäfigen, ein verbeulter solcher (mit viel Geduld einigermaßen wieder hinbekommen) und von all den eingerosteten Stahlfedern nur eine gebrochen – aber fast alle austauschbedürftig. Das wird lustig.

Gesamtansicht vor Arbeitsbeginn

Der Delinquent vor der Demontage

Morgen geht’s erst mal vernünftige Schraubendreher kaufen (werden wahrscheinlich teurer als das Sax bisher, aber ich hätte ohnehin einen neuen Satz gebraucht), und Ideen für das Lösen der beiden festen Achsen suchen…

Die Leiche im Keller… (2)

Bevor man sich an etwas Neues wagt, sollte man das Handbuch lesen…

Okay, genug der Witze – ich bin von Haus aus Tekkie und Handbücher sind die Dinger, in die man reinschaut, wenn man eine Sache schon kaputt-probiert hat.

Das Opfer...

Das Opfer in seinem Überführungs-Sarg 😉

Ich stehe also nun vor einer Saxophon-Leiche und mache mich an die Obduktion. Zu jeder Saxophon-Reparatur gehört, dass man sich darüber klar wird, was für ein Instrument (Bauart, Material, Eigenheiten) man vor sich hat. Im vorliegenden Fall ist der eingravierte Name „Impala“ nicht einmal der Hauch einer Hilfe. Die ergänzende Gravur „Ges Gesch Bayreuth“ kann auch alles und nichts heissen. Ein erster Anhaltspunkt, dass es sich bei diesen Beschriftungen nicht um Originalgravuren des eigentlichen Herstellers handelt, ergibt sich aus der Tatsache, dass sie erkennbar nach der sonstigen Bechergravur angebracht wurden – die Schriftzüge sind nämlich teilweise korrodiert, was bei der übrigen Gravur nicht passiert ist. Auch findet sich rückseitig unter der Seriennummer ein Bereich, der aussieht, als sei hier etwas übergraviert oder weggekratzt worden. Dies könnte z.B. eine Firmen- oder Herkunftslandmarkierung („Made in Sonstwo“) gewesen sein.Bechergravur

Gut, so kommen wir nicht weiter, also gehen wir ins Detail. Erster Schritt: Altersbestimmung.

Das Instrument ist in Bicolor ausgeführt, der Korpus ist goldlackiert, die Klappen (oder was davon übrig ist) vernickelt. Diese Ausführung sowie die vernickelten und aufgeschraubten Klappenschutzbleche sprechen für ein Design aus den 60er bis 70er Jahren. Die gleiche Sprache spricht auch der sog. „Tisch“ (Hebel für die H-B-Cis-Gis-Mechanik), dessen Ausführung derjenigen entspricht, die B&S/Weltklang bis in die 80er Jahre bauten, und die sich ansonsten bei vielen Saxophonen zwischen 1950 und Mitte der 70er Jahre findet. Damit die „schlechte“ Nachricht: Es ist eindeutig nichts mit „Vintage“. Die gute Nachricht: Es könnte tatsächlich noch jemand leben, der was über die Entstehung dieses Saxophons weiss. Also suchen wir weiter.

Zweiter Schritt: Hersteller ermitteln.

Eine Firma Impala mit Bezug zu Bayreuth gab es offenbar nicht. Zumindest konnten angemailte Musikalienhändler aus Bayreuth ebensowenig helfen, wie kreatives Googeln nach Hinweisen. Spekulationen in Richtung „Ostblock-Sax“ verboten sich wegen der Bauart und insb. der sehr aufwändigen Fertigung mit auf großflächigen Blechen aufmontierten Böckchen, die dann als Baugruppe auf den Korpus aufgelötet sind, der auffällig ziselierten Verbindungsringe zwischen Korpus, Bogen und Becher, sowie der generellen Klappenanordnung, die für Amati und B&S als „Hauptverdächtige“ vollkommen untypisch ist. Ein Hinweis darauf, dass Keilwerth auch schonmal gern für andere Firmen „Stencils“ gebaut habe, brachte mich darauf, an der Quelle nachzufragen. Die Auskunft kam postwendend: Man sei dort 100% sicher, dass dieses Sax nicht aus Keilwerth-Produktion stamme, schließe aber ebenfalls eine Ost-Herkunft aus. Am ehesten könne es sich um ein italienisches Fabrikat handeln.

Verbindungsringe am Bogen

Die Verbindungsringe – ein Herkunftshinweis?

Treffer – versenkt. Ein bisschen einschlägige Saxophonbilderseiten durchforstet, auf eBay nach italienischen Saxophonen gesucht, und da waren die fehlenden Hinweise:

Die gesamte Bauart, und insb. die auffällig ziselierten Verbindungsringe sprechen dafür, dass es sich hier um eine Bauweise handelt, die bei Grassi oder Orsi üblich war. Damit bestätigt sich, dass es sich in jedem Fall um ein ehedem hochwertiges Instrument handelt, und man im spielfähigen Zustand durchaus einiges davon erwarten könnte – wenn es denn jemals wieder „singen“ sollte…

Die Leiche im Keller…

Der etwas provokante Titel dieser Seite ist bewusst gewählt:

Es war Ende 2004, als ich mich – mal wieder auf eBay – nach einem günstigen Zweit-Tenor umschaute. Dabei fiel mein Blick auf ein – den Bildern und der Beschreibung nach zu urteilen – recht gut erhaltenes und vor allem in der Verarbeitung sehr interessantes Tenorsaxophon, das mit dem Namen „Impala“ angepriesen wurde.

Impala Saxophon Gesamtansicht

Der Name sagte mir wie auch einschlägig Saxophon-Erfahrenen, die ich befragt hatte, nicht wirklich viel. Daher habe ich meiner Experimentierfreude freien Lauf gegönnt und einfach mitgesteigert. Für einen relativ moderaten Betrag (gemessen an sonst üblichen Preisen für ältere und spielbereite Tenorsaxophone) bekam ich denn auch den Zuschlag.

Shiny Sax 1Shiny Sax 2

Für was ich geboten habe…

Der Schock kam dann auch mit der Post… (und sollte Wasser auf die Mühlen all derer sein, die den Instrumentenkauf über eBay kritisch beäugen)

Das Instrument, das nach Auskunft des Verkäufers „bis vor kurzem noch gespielt“ worden war, entpuppte sich als ein unsachgemäß gelagertes und mit Sicherheit seit Jahren nicht angefasstes Teil, dessen Fehlerliste sich aus erheblicher Korrosion, verbogenen Mechaniken und herausfallenden Polstern aufbaute und von einem durch Schlagschäden unbrauchbar gewordenen Koffer nur noch abgerundet wurde.

rostige BechergravurVergurkte Oktavmechanik

…und was ich dann bekam!

Eine Rückabwicklung wurde seitens des Verkäufers nach elend langen Versuchen der Kontaktaufnahme abgelehnt, weshalb die Sache in das Käuferschutzverfahren ging. Am Ende des sechs Monate währenden Liedes stand dann eine anteilige Schadensregulierung durch eBay, die mich mit einem Restschaden von 37 EUR (Eigenanteil + Versandkosten) und einem unbrauchbaren Saxophon sitzen liess.

This Corrosion

Sisters of Mercy: „Bring this corrosion to me…“

So weit, so schlecht. Nachdem das von eBay geforderte Gutachten attestierte, dass diesem Sax nur durch eine Generalüberholung zu helfen sei, die den Einstandspreis locker verdreifacht hätte, und das defekte Sax jetzt auch niemand mehr haben wollte, blieben drei Möglichkeiten: Entsorgung (nicht meine Art…), als Dekoration an die Wand nageln (nett, aber mit Grünspan und schimmeligen Polstern eher unattraktiv) oder die Reparatur einfach mal selbst versuchen. Lichtblick dabei: Viel mehr als etwas Zeit, einen Satz Polster und ein bisschen Polierpaste kann man dabei eigentlich nicht verheizen, und 37 EUR sind ja eh schon futsch… ausserdem lerne ich immer gern Neues dazu.

Tja, und damit beginnt die Geschichte von der Leiche im Keller, denn dort ist mein Basteltisch und dort liegt seit dem 14.3.2006 ein Tenorsax unbekannter Herkunft und harrt seiner Auferstehung.