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Interessante Anfragen…

Ich find’s ja toll – seitdem ich mehr oder weniger regelmäßig meine Erfahrungen mit dem Saxophon veröffentliche, bekomme ich die verschiedensten Anfragen zu diesem Thema. Einerseits bestätigt mich das darin, mit diesen Seiten und meinen Aktivitäten auf Saxwelt weiterzumachen, andererseits zeigt es mir, dass ich mal ein oder zwei Dinge erklären sollte:

Ich bin kein Sax-Doc. Jemand, der professionell Saxophone repariert, muss das als Beruf („Holzblasinstrumentenbauer“ bzw. „Holzblasinstrumentenmacher“) erlernt haben. Wer den Beruf nicht im Wege der dafür vorgesehenen Ausbildung erlernt hat, muss deswegen nicht unfähig sein – aber nach meinem Kenntnisstand gehört zu einem Reparaturbetrieb in diesem Beruf in Deutschland nach wie vor der Meisterzwang. Was gut ist, wenn man sich die Ergebnisse der Arbeiten dieser Leute anschaut und anhört.

Ich kann also dementsprechend zwar gern die Tipps und Tricks, die ich selber im Laufe der Zeit aufgeschnappt habe, anwenden und auch weitergeben – aber genauso wie die Geschichte von der „Leiche im Keller“ gezeigt hat, dass ich selbst kein komplettes Horn wieder ganz bekomme, kann ich eben nur Anregungen und Hinweise geben, und nicht die ultimative Lösung. Vieles, was ich inzwischen lernen durfte, ist aber andererseits soweit erprobt, dass ich es nicht fair fände, das Wissen nur für mich zu behalten.

Gleiches gilt für Kaufempfehlungen und -erfahrungen: Bis auf ein einziges Saxophon habe ich alle meine Instrumente bislang gebraucht gekauft, ungefähr hälftig über gute Bekannte und Beziehungen und über ein bekanntes Internet-Auktionshaus. Ein Saxophon-Gutachter bin ich deswegen noch lange nicht, nehme aber für mich in Anspruch, inzwischen einigermaßen gut beurteilen zu können, ob ein angebotenes Saxophon längerfristig Freude bringen wird und vor allem, ob es den geforderten Preis zumindest in Ansätzen wert ist.

Das bedeutet, dass ich auch weiterhin an mich herangetragene Fragen aus diesem Feld gern beantworte, allerdings muss ich jegliche Haftung für meine Antworten von vornherein ablehnen. Ich gebe nur meine persönlichen Erfahrungen wieder und verdiene auch nichts damit – wenn ich das wollte, bräuchte ich mehr als nur Erfahrung und – hoffentlich – gesunden Menschenverstand.

Für diejenigen, die mich fragen möchten: Bitte denkt bei Euren Anfragen daran, dass ich ohne einen Link zur fraglichen Auktion oder Fotos des betreffenden Saxophons schonmal rein gar nichts sagen kann. Außerdem ist für eine Bewertung unglaublich wichtig, möglichst genau den Hersteller, das Modell und möglichst auch die Seriennummer des fraglichen Instruments zu kennen. Jegliche Hinweise auf Fehler oder Defekte sind ebenfalls wichtig, da ich inzwischen für einige gängige Fehler einschätzen kann, was deren Behebung kosten kann.

Allerdings gibt es auch kein „Rezept“: Genauso wie vier Saxophonisten (oder Sax-Docs) ein Saxophon mit vier unterschiedlichen Wertansätzen betrachten werden, gibt es auch für Reparaturen oder Überholungen keine amtliche Preistabelle. Ich habe sehr gute „normale“ Generalüberholungen für 300 EUR erlebt, andere machen ebenfalls sehr gute Arbeit, berechnen aber mglw. 1000 EUR dafür. Ein Kostenvoranschlag des in Erwägung gezogenen Betriebs ist also trotz aller Voreinschätzungen unverzichtbar. Dieser Kostenvoranschlag sollte aber auch eine sog. „worst case“ Betrachtung sein – also „wieviel kostet es im schlimmsten Fall“. Für uns als Kunden ist nichts ärgerlicher, als wenn der Reparateur nach 2/3 oder gar Abschluss der Arbeiten „nachkartet“, und eine viel dickere Rechnung präsentiert. Und eine „verschenkte“ Kostenvoranschlagspauschale ist dann manchmal sogar noch akzeptabel, wenn eine Zweitmeinung eine bessere Prognose ergibt.

Übrigens habe ich noch eins gelernt: Es gibt fast kein Saxophon, das ein komplett hoffnungsloser Fall wäre. Es gibt allerdings relativ viele Instrumente, die im Wiederverkaufswert zwischen „gerade noch spielbar“ und „frisch überholt“ nur so geringe Unterschiede haben, dass eine Generalüberholung sich nur dann rechnet, wenn man das Instrument für den eigenen Gebrauch behalten möchte – dann hat man nämlich auch sehr lange etwas von der hineingesteckten Arbeit (bzw. dem hineingesteckten Geld). Und bei einem angeblich frisch überholten Saxophon, das nicht einmal den bereits genannten Preis für eine ordentliche Generalüberholung kosten soll (demnach das Instrument selber für „unter Null“ abgegeben wird) – nun ja, da ist halt irgendetwas nicht in Ordnung und sollte hinterfragt werden.

Was die gemachte Einschränkung „fast“ betrifft: Schaut man sich besagtes Internet-Auktionshaus oder die „Einsteigerangebote“ größerer Musikalienhändler an, gibt es in letzter Zeit zunehmend sehr billige neue Saxophone im Angebot. Diese stammen fast ausnahmslos aus China und sind zumindest dem ersten Anschein nach Kopien der Instrumente namhafter Hersteller. Gut eingestellt mögen sie sogar eine ganze Weile spielbar sein, ich habe sogar schon vereinzelt welche von den „billigen“ erlebt, die einigermaßen ordentlich klangen. Trotzdem macht der Preis Konzessionen an die Verarbeitungsqualität und das verwendete Material. Ein Instrument, das über Jahre hinweg mit wenig oder gar ohne Wartung auskommt, ist das aber definitiv nicht.

Was sich nicht gegen Saxophone aus China generell richtet. Einige Markenhersteller beziehen wesentliche Teile oder sogar vollständige Instrumente aus China, legen aber dann ganz andere Qualitätsmaßstäbe an und schicken auch ihre eigenen Leute zur Kontrolle hin. Ein solches Saxophon ist dann allerdings nicht für unter 300 EUR zu haben sondern kostet signifikant mehr.

Letztlich – auch wenn es manchem Einsteiger schwer fällt und das Geld auch nicht auf Bäumen wächst – darf der Motivationsfaktor nicht vergessen werden: Ein Sax für ein paar Euro zum „ausprobieren“ mag nicht besonders wehtun, und der Schaden ist auch nicht groß, weil man es meist für den Preis oder unwesentlich darunter wieder los wird. Es macht aber auch weniger Spaß, und wegen des geringen Risikos ist auch kein Leistungsdruck da. Gibt man hingegen eine ordentliche Summe (der Preis guter Saxophone liegt je nach Einkommenssituation schon mal ganz schnell bei einem Netto-Monatsgehalt, bei sehr guten noch weitaus höher) aus, dann lernt man, das Ding zu spielen – und wenn es einen umbringt!

Die Leiche im Keller (Finale)

Tja, es ist schon eine ganze Weile her, dass ich der „Leiche“ das obligatorische Update zuteil werden ließ. Aber was lange gärt, wird endlich Wut (oder irgendwie so): Hier ist also das wiedererstandene „Impala“ Tenorsaxophon in seiner ganzen wiedergewonnenen Schönheit:

Das Impala von rechts
Das neu erstandene „Impala“
Von dem seinerzeit bei mir angekommenen, komplett korrodierten Sax ist nicht mehr viel zu bemerken. Die „alte Kanne“ wurde von Grund auf gesäubert, lose Lötstellen – die ich nie selbst hätte fixen können – hat Johannes ebenso perfekt wieder hinbekommen, wie das Spiel aus der klappernden und angerosteten Mechanik komplett verschwunden ist.Alle Klappen laufen so leicht, wie sie sollen, die Federn wurden weitestgehend durch neue, weniger martialische, dafür aber umso ausgewogenere Teile ersetzt. Die eingesetzten Polster verdienen endlich diese Bezeichnung wieder und liegen absolut dicht an. So ist es eine Freude, dieses Horn zu spielen.
Das Impala von rechts
Welcome to the other side…
Besonderes Augenmerk ist noch auf ein Kleinod zu legen, das Johannes gezaubert hat: Die neue Daumenauflage am Oktavhebel. Die alte Plastikkappe war nun wirklich alles andere als der Hit, aber was ich hier sehe, lässt das Saxer-Herz lachen: Die neue, blitzblanke Messing-Kappe wurde mit winzigen Madenschrauben auf dem alten Unterbau befestigt. Nicht nur, dass das super angenehm in der Hand liegt, durch die kleinen Schrauben kann sogar die Position der Ablage feinjustiert und damit exakt auf den Oktavhebel abgestimmt werden. Einfach genial. Sollte er sich patentieren lassen…
Die Daumenablage
Eine kleine aber feine Meisterleistung!

Schließlich sei noch erwähnt, dass bereits die nächste Fleißarbeit bei ToKo und Johannes lagert: Jeweils ein Pennsylvania Special Alto (eigentlich ein Keilwerth-Stencil) und ein Straight Neck Conn C-Melody in Bare Brass (also unlackiert) warten darauf, wieder Töne von sich geben zu dürfen. Und dann natürlich dauerhaft in meine Sammlung einzuziehen…