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Neues aus Pennsylvanien…

Ich habe noch ein wenig recherchiert – wie bei allen meinen Instrumenten weiß ich gern etwas mehr über die Geschichte, die sie zu erzählen hätten, wenn sie denn könnten…

Es scheint tatsächlich so zu sein, dass die Pennsylvania Special eine Serie von Saxophonen war, die Selmer USA im Vertrieb hatte, und zwar nach diversen Quellen ungefähr im Zeitraum von 1930-1960. Nicht alle Pennsylvania gelabelten Saxophone waren „Specials“, es gab scheinbar auch „einfachere“ Modelle, die sich insb. durch deutlich weniger Aufwand bei der optischen Gestaltung und – hier fehlen mir gesicherte Angaben – den dann nicht mehr gebördelten Tonlöchern unterscheiden.

Der für mich als bekennender Keilwerth-Fan wichtigste Unterschied aber dürfte der Hersteller sein, denn Selmer hat die Hörner für den US-Verkauf fertigen lassen. Zumindest vor dem Krieg dürfte das auf Keilwerth in Kraslice (ehedem „Graslitz“) hinauslaufen. Es soll noch „Specials“ gegeben haben, die unter Amati-Label und damit in der Nachkriegs-Tschechoslovakei angefertigt wurden – Belege dafür habe ich nicht. „Mein“ Penn ist jedenfalls mit „Made in Czechoslovakia“ markiert, was aufgrund der dort ansässigen Instrumentenbauer vor dem Krieg definitiv ein Qualitätsmerkmal gewesen sein dürfte.

Dennoch sind Selmer USA Saxophone im allgemeinen und solche aus Keilwerth-, Conn- oder Buescher-Produktion im besonderen natürlich eine ganz andere Geschichte als „echte“ Selmer-Saxophone. Man mag entweder das eine oder das andere, dazwischen gibt es nicht wirklich viel, weil sich diese Hörner im Charakter wirklich deutlich unterscheiden.

Die etwas verschlungenen Wege des Instrumenten-Zukaufs bei Selmer USA offenbaren jedenfalls einen sehr interessanten Selbstfindungsprozess dieser Firma. Dieser setzt sich anscheinend bis in die heutige Zeit fort, wenn man an die derzeit vielfach anzutreffenden sog. „Conn-Selmer Prelude“ Modelle denkt. Von den Qualitäten manches Stencils, der in den 30er Jahren den Weg in die Staaten und in seltenen Fällen auch wieder zurück nach Europa fand, sind diese natürlich meilenweit entfernt…

Das Pennsylvania Special

Ich bin hin und weg – vor längerer Zeit habe ich ein paar Sax-Ruinen günstig erstanden. Eines davon war ein Altsaxophon mit der Gravur „Pennsylvania Special“ (Made in Czechoslovakia) auf dem Becher. Da ich von den Teilen zuvor schon verschiedentlich gelesen hatte, und die Hardware eindeutig zeigte, dass das zu seiner Zeit alles andere als ein Billig-Sax gewesen war, habe ich mich durchgerungen, das Teil meinem Leib- und Magen-Saxdoc ToKo in seine wohlmeindenden Hände zu geben.

Und ToKo hat mal wieder gezaubert – das Penn ist wunderbar geworden. Nicht nur, dass es wieder komplett und spielbar ist, es klingt auch noch sagenhaft. Aber alles zu seiner Zeit, erst mal zum Instrument als solchem:

Das Penn in seinem Koffer
Das Penn Special in seinem Koffer

Einschränkend sei gesagt, ich habe das Sax in schrottreifem Zustand und ohne Koffer bekommen, bekam aber auch einen Yamaha Saxophonkoffer dazu, der zufällig genau passte (das ist bei alten Saxophonen alles andere als selbstverständlich, aber das Penn hat die Becherklappen schon auf der „richtigen“ Seite für einen modernen Saxkoffer).

Die Draufsicht verrät schon einen Teil dessen, was das „Special“ am Special ist. Dieses Sax hat alles an Luxus zu bieten, was es damals gab: Sämtliche Tasten sind mit Perlmutt belegt, sogar der Tisch ist eine einzige Perlmutt-Orgie. Die Tonlöcher sind allesamt gebördelt („rolled“), der S-Bogen hat als besonderes Leckerli eine „underslug“ Oktavklappe – das gibt es wirklich nur sehr selten. Darüberhinaus ist auch noch der Daumenhalter verstellbar – sowas findet man bei Vintage Saxophonen eher gar nicht. Ein Hammer-Teil…

Die rechte Hand des Penn
Die linke Hand des Penn

Aber damit nicht genug. Nachdem ToKo eine Heidenarbeit in das Instrument gesteckt hat, liefert es auch den erwarteten Sound – jetzt fehlt mir ärgerlicherweise noch ein Alto-Mundstück, das diesen Qualitäten gerecht wird. Aber das sollte sich gelegentlich lösen lassen…

Die inneren Werte des Penn werde ich in den nächsten Tagen mit entsprechendem Bildmaterial dokumentieren – und auch, was ich über seine Geschichte so herausfinden konnte – es sind jedenfalls einige berühmte Namen im Spiel. Dieses Saxophon nicht wieder instand zu setzen, wäre eine Sünde gewesen!