Mein Saxophon-Blog
Neu verliebt in hohe Töne…
Am 27.07.08 in Allgemein. [25">]Kommentare .
Ich hätt’s ja nicht für möglich gehalten - obwohl, doch, eigentlich schon, denn ich weiß ja, wen ich gefragt habe - aber ich habe mich sozusagen neu verliebt: In mein Sopran-Sax!
Jaja, ich weiß, man soll mit Begriffen wie “verliebt” lieber sparsam umgehen, aber es ist schon ziemlich intensiv, was mich da gerade mit meinem kleinen schwarzen “Hochtöner” verbindet. Hans-Werner Peters, der Meister der Steamer-Mundstücke, hat mich mit einem - nein, mit _DEM_ Sopran-Steamer beglückt.
Bislang hatte mein Prestini-Sopran immer einen schweren Stand, bin ich doch eigentlich dem Tenor verfallen und auf diesem auch schon lange be-Steamer-t. Für das Sop besaß ich bis dato “nur” ein unsägliches Yamaha 4C, Selmer S80C* und ein 7er Otto Link STM, welches nach etwas Refacing für den Einsatz in der Kirchenmusik ganz passabel war - aber eben auch nicht mehr.
Auf dem letzten Saxwelt-Workshop hatte Hans dann erstmals einen Steamer-Prototyp für Sopran dabei - das Teil war bereits der Hammer - noch ohne abschließende Politur und weitere Verzierungen hatte ich es ihm aus den vom Schleifen verstaubten Fingern gerissen, vermittels eines “Kettenhemdes” (Rico Olegature - für Alto!) ein 2,5er Queens Blatt darauf gefesselt und mich fortan nur noch unter Anwendung chirurgischer Mittel von diesem Superteil trennen lassen. Entsprechend heiß war ich auf das erste “Serien”-Modell (sofern man bei Hans überhaupt von “Serie” sprechen mag, ist doch jedes Steamer Maßanfertigung für den Empfänger…).
Was soll ich sagen, ich bin von den Socken! Das - wie bei Hans üblich mit Zertifikat gelieferte - Steamer ist der absolute Hammer. Mit der für mich absolut idealen 0.70er Öffnung ist es mit einem 2,5er Blatt problemlos spielbar, mit einem 2er (Barre bzw. Rigotti Regal Queens) geht es bombensicher auch bis in die Palm Keys hinauf ohne zu kieksen oder abzuschmieren. Der Sound ist Steamertypisch “fett” und rund, fast glaubt man, eher ein Alto als ein Sopran-Sax in der Hand zu haben, so voluminös ist der Ton. Was natürlich ein Produkt der wirklich ideal angepassten Kammer ist.
Fotos und Soundbeispiele muss ich erst noch produzieren, nach jeweils einer einstündigen Session mit dem Mundstück gestern und heute muss ich erst einmal meiner Begeisterung Luft machen, dann geht’s an die Details.
Neues aus Pennsylvanien…
Am 30.12.07 in Pennsylvania Special. [24">]Kommentare .
Ich habe noch ein wenig recherchiert - wie bei allen meinen Instrumenten weiß ich gern etwas mehr über die Geschichte, die sie zu erzählen hätten, wenn sie denn könnten…
Es scheint tatsächlich so zu sein, dass die Pennsylvania Special eine Serie von Saxophonen war, die Selmer USA im Vertrieb hatte, und zwar nach diversen Quellen ungefähr im Zeitraum von 1930-1960. Nicht alle Pennsylvania gelabelten Saxophone waren “Specials”, es gab scheinbar auch “einfachere” Modelle, die sich insb. durch deutlich weniger Aufwand bei der optischen Gestaltung und - hier fehlen mir gesicherte Angaben - den dann nicht mehr gebördelten Tonlöchern unterscheiden.
Der für mich als bekennender Keilwerth-Fan wichtigste Unterschied aber dürfte der Hersteller sein, denn Selmer hat die Hörner für den US-Verkauf fertigen lassen. Zumindest vor dem Krieg dürfte das auf Keilwerth in Kraslice (ehedem “Graslitz”) hinauslaufen. Es soll noch “Specials” gegeben haben, die unter Amati-Label und damit in der Nachkriegs-Tschechoslovakei angefertigt wurden - Belege dafür habe ich nicht. “Mein” Penn ist jedenfalls mit “Made in Czechoslovakia” markiert, was aufgrund der dort ansässigen Instrumentenbauer vor dem Krieg definitiv ein Qualitätsmerkmal gewesen sein dürfte.
Dennoch sind Selmer USA Saxophone im allgemeinen und solche aus Keilwerth-, Conn- oder Buescher-Produktion im besonderen natürlich eine ganz andere Geschichte als “echte” Selmer-Saxophone. Man mag entweder das eine oder das andere, dazwischen gibt es nicht wirklich viel, weil sich diese Hörner im Charakter wirklich deutlich unterscheiden.
Die etwas verschlungenen Wege des Instrumenten-Zukaufs bei Selmer USA offenbaren jedenfalls einen sehr interessanten Selbstfindungsprozess dieser Firma. Dieser setzt sich anscheinend bis in die heutige Zeit fort, wenn man an die derzeit vielfach anzutreffenden sog. “Conn-Selmer Prelude” Modelle denkt. Von den Qualitäten manches Stencils, der in den 30er Jahren den Weg in die Staaten und in seltenen Fällen auch wieder zurück nach Europa fand, sind diese natürlich meilenweit entfernt…
Das Pennsylvania Special
Am 22.12.07 in Pennsylvania Special. [23">]Kommentare (1).
Ich bin hin und weg - vor längerer Zeit habe ich ein paar Sax-Ruinen günstig erstanden. Eines davon war ein Altsaxophon mit der Gravur “Pennsylvania Special” (Made in Czechoslovakia) auf dem Becher. Da ich von den Teilen zuvor schon verschiedentlich gelesen hatte, und die Hardware eindeutig zeigte, dass das zu seiner Zeit alles andere als ein Billig-Sax gewesen war, habe ich mich durchgerungen, das Teil meinem Leib- und Magen-Saxdoc ToKo in seine wohlmeindenden Hände zu geben.
Und ToKo hat mal wieder gezaubert - das Penn ist wunderbar geworden. Nicht nur, dass es wieder komplett und spielbar ist, es klingt auch noch sagenhaft. Aber alles zu seiner Zeit, erst mal zum Instrument als solchem:

Das Penn Special in seinem Koffer
Einschränkend sei gesagt, ich habe das Sax in schrottreifem Zustand und ohne Koffer bekommen, bekam aber auch einen Yamaha Saxophonkoffer dazu, der zufällig genau passte (das ist bei alten Saxophonen alles andere als selbstverständlich, aber das Penn hat die Becherklappen schon auf der “richtigen” Seite für einen modernen Saxkoffer).
Die Draufsicht verrät schon einen Teil dessen, was das “Special” am Special ist. Dieses Sax hat alles an Luxus zu bieten, was es damals gab: Sämtliche Tasten sind mit Perlmutt belegt, sogar der Tisch ist eine einzige Perlmutt-Orgie. Die Tonlöcher sind allesamt gebördelt (”rolled”), der S-Bogen hat als besonderes Leckerli eine “underslug” Oktavklappe - das gibt es wirklich nur sehr selten. Darüberhinaus ist auch noch der Daumenhalter verstellbar - sowas findet man bei Vintage Saxophonen eher gar nicht. Ein Hammer-Teil…


Aber damit nicht genug. Nachdem ToKo eine Heidenarbeit in das Instrument gesteckt hat, liefert es auch den erwarteten Sound - jetzt fehlt mir ärgerlicherweise noch ein Alto-Mundstück, das diesen Qualitäten gerecht wird. Aber das sollte sich gelegentlich lösen lassen…
Die inneren Werte des Penn werde ich in den nächsten Tagen mit entsprechendem Bildmaterial dokumentieren - und auch, was ich über seine Geschichte so herausfinden konnte - es sind jedenfalls einige berühmte Namen im Spiel. Dieses Saxophon nicht wieder instand zu setzen, wäre eine Sünde gewesen!
Interessante Anfragen…
Am 17.10.07 in Allgemein. [22">]Kommentare .
Ich find’s ja toll - seitdem ich mehr oder weniger regelmäßig meine Erfahrungen mit dem Saxophon veröffentliche, bekomme ich die verschiedensten Anfragen zu diesem Thema. Einerseits bestätigt mich das darin, mit diesen Seiten und meinen Aktivitäten auf Saxwelt weiterzumachen, andererseits zeigt es mir, dass ich mal ein oder zwei Dinge erklären sollte:
Ich bin kein Sax-Doc. Jemand, der professionell Saxophone repariert, muss das als Beruf (”Holzblasinstrumentenbauer” bzw. “Holzblasinstrumentenmacher”) erlernt haben. Wer den Beruf nicht im Wege der dafür vorgesehenen Ausbildung erlernt hat, muss deswegen nicht unfähig sein - aber nach meinem Kenntnisstand gehört zu einem Reparaturbetrieb in diesem Beruf in Deutschland nach wie vor der Meisterzwang. Was gut ist, wenn man sich die Ergebnisse der Arbeiten dieser Leute anschaut und anhört.
Ich kann also dementsprechend zwar gern die Tipps und Tricks, die ich selber im Laufe der Zeit aufgeschnappt habe, anwenden und auch weitergeben - aber genauso wie die Geschichte von der “Leiche im Keller” gezeigt hat, dass ich selbst kein komplettes Horn wieder ganz bekomme, kann ich eben nur Anregungen und Hinweise geben, und nicht die ultimative Lösung. Vieles, was ich inzwischen lernen durfte, ist aber andererseits soweit erprobt, dass ich es nicht fair fände, das Wissen nur für mich zu behalten.
Gleiches gilt für Kaufempfehlungen und -erfahrungen: Bis auf ein einziges Saxophon habe ich alle meine Instrumente bislang gebraucht gekauft, ungefähr hälftig über gute Bekannte und Beziehungen und über ein bekanntes Internet-Auktionshaus. Ein Saxophon-Gutachter bin ich deswegen noch lange nicht, nehme aber für mich in Anspruch, inzwischen einigermaßen gut beurteilen zu können, ob ein angebotenes Saxophon längerfristig Freude bringen wird und vor allem, ob es den geforderten Preis zumindest in Ansätzen wert ist.
Das bedeutet, dass ich auch weiterhin an mich herangetragene Fragen aus diesem Feld gern beantworte, allerdings muss ich jegliche Haftung für meine Antworten von vornherein ablehnen. Ich gebe nur meine persönlichen Erfahrungen wieder und verdiene auch nichts damit - wenn ich das wollte, bräuchte ich mehr als nur Erfahrung und - hoffentlich - gesunden Menschenverstand.
Für diejenigen, die mich fragen möchten: Bitte denkt bei Euren Anfragen daran, dass ich ohne einen Link zur fraglichen Auktion oder Fotos des betreffenden Saxophons schonmal rein gar nichts sagen kann. Außerdem ist für eine Bewertung unglaublich wichtig, möglichst genau den Hersteller, das Modell und möglichst auch die Seriennummer des fraglichen Instruments zu kennen. Jegliche Hinweise auf Fehler oder Defekte sind ebenfalls wichtig, da ich inzwischen für einige gängige Fehler einschätzen kann, was deren Behebung kosten kann.
Allerdings gibt es auch kein “Rezept”: Genauso wie vier Saxophonisten (oder Sax-Docs) ein Saxophon mit vier unterschiedlichen Wertansätzen betrachten werden, gibt es auch für Reparaturen oder Überholungen keine amtliche Preistabelle. Ich habe sehr gute “normale” Generalüberholungen für 300 EUR erlebt, andere machen ebenfalls sehr gute Arbeit, berechnen aber mglw. 1000 EUR dafür. Ein Kostenvoranschlag des in Erwägung gezogenen Betriebs ist also trotz aller Voreinschätzungen unverzichtbar. Dieser Kostenvoranschlag sollte aber auch eine sog. “worst case” Betrachtung sein - also “wieviel kostet es im schlimmsten Fall”. Für uns als Kunden ist nichts ärgerlicher, als wenn der Reparateur nach 2/3 oder gar Abschluss der Arbeiten “nachkartet”, und eine viel dickere Rechnung präsentiert. Und eine “verschenkte” Kostenvoranschlagspauschale ist dann manchmal sogar noch akzeptabel, wenn eine Zweitmeinung eine bessere Prognose ergibt.
Übrigens habe ich noch eins gelernt: Es gibt fast kein Saxophon, das ein komplett hoffnungsloser Fall wäre. Es gibt allerdings relativ viele Instrumente, die im Wiederverkaufswert zwischen “gerade noch spielbar” und “frisch überholt” nur so geringe Unterschiede haben, dass eine Generalüberholung sich nur dann rechnet, wenn man das Instrument für den eigenen Gebrauch behalten möchte - dann hat man nämlich auch sehr lange etwas von der hineingesteckten Arbeit (bzw. dem hineingesteckten Geld). Und bei einem angeblich frisch überholten Saxophon, das nicht einmal den bereits genannten Preis für eine ordentliche Generalüberholung kosten soll (demnach das Instrument selber für “unter Null” abgegeben wird) - nun ja, da ist halt irgendetwas nicht in Ordnung und sollte hinterfragt werden.
Was die gemachte Einschränkung “fast” betrifft: Schaut man sich besagtes Internet-Auktionshaus oder die “Einsteigerangebote” größerer Musikalienhändler an, gibt es in letzter Zeit zunehmend sehr billige neue Saxophone im Angebot. Diese stammen fast ausnahmslos aus China und sind zumindest dem ersten Anschein nach Kopien der Instrumente namhafter Hersteller. Gut eingestellt mögen sie sogar eine ganze Weile spielbar sein, ich habe sogar schon vereinzelt welche von den “billigen” erlebt, die einigermaßen ordentlich klangen. Trotzdem macht der Preis Konzessionen an die Verarbeitungsqualität und das verwendete Material. Ein Instrument, das über Jahre hinweg mit wenig oder gar ohne Wartung auskommt, ist das aber definitiv nicht.
Was sich nicht gegen Saxophone aus China generell richtet. Einige Markenhersteller beziehen wesentliche Teile oder sogar vollständige Instrumente aus China, legen aber dann ganz andere Qualitätsmaßstäbe an und schicken auch ihre eigenen Leute zur Kontrolle hin. Ein solches Saxophon ist dann allerdings nicht für unter 300 EUR zu haben sondern kostet signifikant mehr.
Letztlich - auch wenn es manchem Einsteiger schwer fällt und das Geld auch nicht auf Bäumen wächst - darf der Motivationsfaktor nicht vergessen werden: Ein Sax für ein paar Euro zum “ausprobieren” mag nicht besonders wehtun, und der Schaden ist auch nicht groß, weil man es meist für den Preis oder unwesentlich darunter wieder los wird. Es macht aber auch weniger Spaß, und wegen des geringen Risikos ist auch kein Leistungsdruck da. Gibt man hingegen eine ordentliche Summe (der Preis guter Saxophone liegt je nach Einkommenssituation schon mal ganz schnell bei einem Netto-Monatsgehalt, bei sehr guten noch weitaus höher) aus, dann lernt man, das Ding zu spielen - und wenn es einen umbringt!
Die Padless Technologie
Am 15.10.07 in Selmer Padless. [21">]Kommentare .
Zugegeben, führt man sich vor Augen, dass das Saxophon eine Erfindung aus der Mitte des 19. Jahrhunderts ist, muss einen der Detailreichtum und die Präzision dieses Instruments schon faszinieren. Mit älterer Technologie wäre so etwas wahrscheinlich nicht machbar gewesen. Schon die - immerhin noch mit einem Holzkorpus gesegnete - Klarinette ist in der Form, wie wir sie heute kennen, noch nicht so besonders alt. Viele der heute als üblich angesehenen Klappen waren zu früheren Zeiten noch ganz normale Tonlöcher, die mit den Fingern des Spielers verschlossen wurden.
Schaut man sich das Patent für die Tonlochabdichtung des Selmer Padless an, stellt sich entsprechend die Frage, warum nicht auch diese Idee schon früher aufgegriffen wurde - benötigen doch die Dichtungsringe um die Tonlochkamine ganz erheblich viel weniger Dichtungsmaterial als die üblichen Klappenpolster.
Aber genau in diesem Minimalismus liegt der Haken an der Sache, und wahrscheinlich auch der Grund, warum die Technik sich bislang noch nicht durchsetzen konnte (wenn wir einmal von dem ganz profanen Grund absehen, dass es in der Konsequenz seit 1942 nicht mehr versucht wurde!)
Die nötige Technologie zur Herstellung der benötigten Tonlochringe hätte schon zu Adolphe Sax’ Zeiten zur Verfügung gestanden - daran kann angesichts der ansonsten komplexen Saxophon-Technik kein Zweifel bestehen. Spannender dürfte da die Frage nach dem Dichtungsmaterial sein. Ausserdem waren im 19. Jahrhundert Fertigungstoleranzen im Spiel, die heutzutage pauschal unter “Ausschuss” gebucht würden. Ein einfacher Blick auf die Klappentechnik in Großaufnahme zeigt, was ich meine:


Was schnell erkennbar wird: Sowohl der aufgedoppelte Ring als auch die Klappe selbst müssen im Rahmen der Möglichkeiten plangeschliffen sein - besonders viel Spielraum für Unebenheiten gibt es schon im Ring nicht, obwohl da immerhin noch mit Unterlegmaterial und dem Kleber selbst justiert werden könnte. Die Klappe hingegen verzeiht überhaupt keine Nachlässigkeiten - eine verzogene Klappe, eine winzige Kerbe oder auch nur ein ungleichmäßiger Schliff, und schon ist eine Dichtigkeit nicht mehr herstellbar.
Noch spannender wird dann die Frage nach dem Material für die Dichtungen selbst. Was Anfang der 40er genau verwendet wurde, konnte ich noch nicht herausbekommen - Quellen sprechen von einem ähnlichen Material wie die normalen Klappenpolster, also Leder mit einer Füllung aus Papier und Filz. Das das für diese schmalen Ringe ein Problem werden dürfte, dafür bedarf es nicht einmal besonders farbenprächtiger Vorstellungskraft. Auf keinen Fall dürfte den Machern des Padless so etwas zur Verfügung gestanden haben:

Diese Ringe sind gleichzeitig eine Sisyphus-Arbeit und eine Glanzleistung von Maik (Ex-Woodwind24), der sie einzeln aus einem speziellen Schaummaterial, das mit feinem Leder laminiert wurde, ausgestanzt hat. Allein die Abmessungen der Ringe in Form von Stanzeisen passend abzubilden, war schon ein Akt für sich.
Eine Crux des Materials offenbarte sich leider erst bei der Montage des Padless - was wiederum ein Meisterstück meines Freundes ToKo war. Das verwendete Schaummaterial war entgegen unseren Erwartungen offenporig - damit waren die Ringe seitlich nicht ganz dicht, weil ja entgegen der “klassischen” Padless Dichtungen das Leder die Ringe nicht seitlich umschließt. Die einzige Chance, das Sax spielbar zu bekommen, war daher auch, die Ringe noch einmal nach erfolgtem Einbau und Justage rundum vorsichtig mit dunklem Silikon zu versiegeln. Hat natürlich ganz leicht etwas von “von hinten durch die Brust ins Knie”, aber worauf es primär ankam war, das Horn wieder spielbereit zu machen - denn der Sound ist wirklich ein Kapitel für sich…
Das Selmer Padless!
Am 12.10.07 in Selmer Padless. [20">]Kommentare .
Angedeutet hatte ich es ja schon mehrfach, aber jetzt wird endlich gezeigt, was Sache ist:
Das Selmer Padless Saxophon ist ein Instrument mit einer interessanten und leider - zumindest für mich - noch nicht eindeutig nachvollziehbaren Geschichte. Daher mal so ungefähr das, was ich bislang zusammenreimen konnte:
Im Jahre 1939 hat Eugene Sander von der H&A Selmer, Inc., Elkhart, Indiana, USA, eine Eingebung: Er meldet einen völlig neuen Ansatz für die Abdichtung der Klappen von Holzblasinstrumenten zum Patent an. Das Patent mit der Nummer 2,227,230 kann online eingesehen werden, und zwar beim US Patent Office (Patentnummer dort bitte als 02227230 eingeben, dann klappt’s!).
Das Ergebnis seiner Entwicklung sieht beispielhaft etwa so aus:

Übrigens findet sich bei cybersax.com eine schöne Beschreibung eines Padless Altos plus deren englischsprachige Version der Geschichte des Padless. Ob die Chronologie dort näher an der tatsächlichen Geschichte ist - wer kann das nach fast 70 Jahren schon noch sagen? Realistisch erscheint allerdings die Einschätzung, dass die Linie wegen technischer Probleme bei der Herstellung und Wartung der Instrumente - die Dichtungsringe waren damals aus Leder mit Papiereinlage, und dementsprechend anfällig für Undichtigkeiten - wieder eingestellt wurde.
Soviel zur Geschichte. Überschlagsmäßig etwa 55 Jahre später gelangt eines dieser Saxophone, in diesem Fall ein Tenormodell, in meinen Besitz. Von den klassischen Dichtungen ist nichts mehr vorhanden, stattdessen befinden sich vom Alter verhärtete Gummiringe in den entsprechenden Ringvertiefungen. Damit machen die Klappen einen Höllenlärm, dennoch ist das Instrument leidlich von Tief-F bis ins hohe Register spielbar. Das, was an Tönen herauskommt, spricht eine deutliche Sprache: Dieses Saxophon muss wieder “singen” lernen. Das Design mit den plangeschliffenen Klappen und die spezielle Bauweise sorgen für ein Resonanz- und Anspracheverhalten, das ganz einzigartig ist. Es wäre eine Sünde, dieses Instrument weiter im Dornröschenschlaf liegen zu lassen…
Die Leiche im Keller (Finale)
Am 11.10.07 in Die Leiche im Keller. [19">]Kommentare .
Tja, es ist schon eine ganze Weile her, dass ich der “Leiche” das obligatorische Update zuteil werden ließ. Aber was lange gärt, wird endlich Wut (oder irgendwie so): Hier ist also das wiedererstandene “Impala” Tenorsaxophon in seiner ganzen wiedergewonnenen Schönheit:



Schließlich sei noch erwähnt, dass bereits die nächste Fleißarbeit bei ToKo und Johannes lagert: Jeweils ein Pennsylvania Special Alto (eigentlich ein Keilwerth-Stencil) und ein Straight Neck Conn C-Melody in Bare Brass (also unlackiert) warten darauf, wieder Töne von sich geben zu dürfen. Und dann natürlich dauerhaft in meine Sammlung einzuziehen…
Seelentröster auf Silberscheibe
Am 10.10.07 in Allgemein. [18">]Kommentare .
Nicht erst seit gewissen jüngeren Workshop-Erlebnissen sind mir die Playbacks zum Improvisieren von Tunesday Records liebe Begleiter geworden. Nach einigen Sessions mit diesen Scheiben habe ich aber nun meine Sammlung um das bisherige “Sahnestück” erweitert:
Die Jazz Vol. 3 “Jazz-Blues” liefert 16 absolut hochklassige Playbacks, zu denen sich ganz fantastisch “grooven” lässt. Ob allein oder zu mehreren, ob mit Saxophonen oder auch weiterer instrumentaler Unterstützung - mit dieser Scheibe geht unglaublich viel, und vor allem wird sie nicht langweilig, weil jedes Stück seinen eigenen Charakter hat.
Die Bonus Tracks lehnen sich teilweise an bekannte Standards an, die man - wenn man sie erst mal erkannt hat - darauf sogar sehr gut spielen könnte…
…wenn man das denn will, denn eigentlich geht es hier um Improvisation, und da kann man sich nun wirklich austoben. Die Tonarten sind i.d.R. im Booklet angegeben, so dass allzuviel ausprobieren auch dem nicht mit einem absoluten Gehör Gesegneten erspart bleibt. Allerdings sind die Tonarten auch nicht so abgefahren gewählt, dass man nicht einfach von selbst drauf kommen könnte. Auf manchem Treffen haben wir jedenfalls auch ohne Blick in die Booklets zu diesen CDs gut loslegen können.
Die einzige wünschenswerte Erweiterung wären noch längere Tracks oder die Möglichkeit, die Tracks als Loop zu schalten - aber ein paar gute Gründe für die Unersetzlichkeit einer echten Rhythm-Section muss es ja auch weiterhin geben.
Aufnahmetechnisches…
Am 10.10.07 in Allgemein. [17">]Kommentare .
Der Saxwelt-Workshop brachte es an den Tag: Zu Spaß mit dem Instrument gehört auch, diesen Spaß gelegentlich für mich selbst oder andere Interessierte zu konservieren.
Bislang hieß das meistens, dass ich mein MacBook bemühen musste, um mittels angeschlossenem USB-Mikrofon (Samson C01U) und GarageBand hoffentlich brauchbare Tracks zu erzeugen. Das funktioniert sehr gut, bedeutet aber einiges an Material das zusätzlich zum Sax transportiert werden muss.
Nun hatte ein netter Saxwelt-Kollege auf dem Workshop ein ziemlich geniales Spielzeug dabei: Den Boss Micro BR. Ich hatte schon gehört, dass es sowas gibt, aber nie live gesehen geschweige denn Aufnahmen davon bewusst wahrgenommen. Unglaublich - das Ding ist ein Aufnahmestudio im Taschenformat. Zugegeben, mit technischen Beschränkungen aufgrund der geringen Größe, aber so unglaublich vielseitig, dass es mir buchstäblich die Schuhe ausgezogen hat (keine Angst, sind wieder angezogen und es ist auch keiner umgefallen…).
Das Ende vom Lied ist natürlich mal wieder eine Belastung des Musik-Budgets: Ein Micro BR muss her. Woher, das weiß ich schon - nur bestellen muss ich ihn noch. Praktischerweise bietet Thomann das Ding als Bundle zusammen mit Kopfhörer und Micro an (das integrierte Micro ist gut, ein externes ist besser…). Mglw. bestell ich gleich einen E-Bass mit, denn das Teil hat eine Gitarrenklinke als zusätzlichen Input. Wirklich gut überlegt…
Es besteht also die (wahlweise) Gefahr bzw. Hoffnung, dass demnächst hier wieder Aufnahmen erscheinen werden. Die von früher musste ich ja leider wieder offline nehmen.
Die Leiche Reloaded
Am 09.10.07 in Die Leiche Reloaded. [16">]Kommentare .
…oder auch: Die Mumie kehrt zurück!
Im ersten Anlauf hatte ich mich noch an einem unbekannten Sax versucht, das zu allem Überfluss auch noch Reparaturbedarf mit sich brachte, den ich nicht zu lösen im Stande war.
Nun wird alles anders. Streng nach dem Motto “einem geschenkten Gaul…” habe ich auf ein geschenktes Sax auch nicht sonderlich intensiv geschaut sondern mich primär gefreut. Sekundär wurde dann mal der Koffer geöffnet - erwartungskonform schlug dort zunächst ein “Duft” heraus, der zumindest dem Transportbehältnis selbst schon jetzt ein zeitnahes Ende verheißt. An dem Ding ist nichts zu retten…
Spannender ist hingegen der Inhalt - ein gewissermaßen alter und allerorten anzutreffender Bekannter: Ein Weltklang Tenorsaxophon. So schwarz wie nur irgendetwas verkündet dieses Gerät “ich bin versilbert, und das mit Anlauf” - aber was ist das? Da sind ja sogar erkennbar nagelneue Pads in den Klappen! Schwarze Känguruhs sogar! Na genial…
…allerdings ist das Sax auch noch “geplatzt” = im wesentlichen in seine Teile zerlegt. Sowas fixt man nicht “mal eben”. Testweise hab ich mal etwas Polierpaste darübergejagt, und oh Wunder, aus dem Schwarz wird tatsächlich verhaltener Silberglanz. Nicht schlecht. Es zeigt sich aber auch, dass das Instrument haufenweise kleinere und mittlere Macken hat - also eindeutig ziemlich herumgekommen ist. Das könnte bedeuten, dass es nicht ganz schlecht war - oder aber auch einfach nur, dass der frühere Besitzer keine Wahl hatte, als es zu benutzen. Hoffen wir das beste und erwarten das schlimmste…
Nur Geduld. In den nächsten Tagen gibt’s Fotos und eine erste Bestandsaufnahme. Zwei kleine Fehlteile sind schon identifiziert, diese werden wahrscheinlich aus Gründen, die andernorts noch zu erklären sein werden, gerade bei ToKo ruhen.
Jedenfalls erscheint diese alte Kanne reparabel - eine bezahlte Generalüberholung reinzustecken wird sich kaum rechnen, aber da ein Teil der Arbeit schon erledigt ist und das Ding immerhin “für umme” kam, kann ich ja ausser ein wenig Zeit nichts verlieren. Beste Voraussetzungen.
Eine Hammer-Woche…
Am 08.10.07 in Allgemein. [15">]Kommentare .
Lange hat’s gedauert - ich bin ja nun schon eine ganze Weile Teammitglied bei Saxwelt, und der nun schon seit drei Jahren alljährlich von Smatjes organisierte Workshop ist bereits annähernd legendär. Und dieses Jahr war es endlich soweit: Nach intensivem Termingeschubse konnte ich auch teilnehmen.
Kurz und bündig: Es hat sich mehr als gelohnt!
Der diesjährige Saxwelt-Workshop fand auf der Jugendburg Ludwigstein in Witzenhausen (Nähe Göttingen) statt. Die in eine historische Burg integrierte Jugendherberge mit ihrem riesigen Platzangebot und den gegeneinander schön abgeschirmten Räumen gab für alle Workshop-Teile eine ebenso angenehme wie stilvolle Kulisse her.
Ich will hier nicht sämtliche Inhalte des WS im Detail beschreiben, denn dazu - und für das nötige Bildmaterial - ist Saxwelt der geeignete Ort. Aber einige Dinge haben eben doch ihren bleibenden Eindruck hinterlassen.
Zu allererst ist hier natürlich Hans-Werner “Steamersound” Peters zu nennen, der mir einen ganz besonderen Leckerbissen mitgebracht hatte: Den allerersten Prototypen eines Sopran-Steamers!!! Das Ding war noch nicht mal auf der Poliermaschine - ich musste es ihn aus seinen gerade den letzten Schliff anlegenden Händen reißen. Dann ab damit auf mein inzwischen sehr liebgewordenes Prestini “Classic Pro” Sopran, und… BOAH EY! Was ein Sound. Offen, warm, klar wo er klar sein soll, rund wo er rund sein muss - einfach ein Traum, und das auf einem “Schuss ins Blaue”, denn Hans hatte nicht ständig ein Sopran zum Testen im Zugriff.
Anfangs gab’s noch ein kleines Problem mit der passenden Blattschraube - immerhin basiert das Sopran-Steamer in der aktuellen Form nicht auf einem Sopran-Mundstück, denn Brilhart baut keine solchen. HWP hat sich eines Brilhart-Klarinettenmundstücks bedient und dieses aufwändig umgeschliffen und zum Steamer verbaut. Eine absolute Meisterleistung! Die Blattschraube haben wir dann kurzerhand durch ein “Kettenhemd” (Olegature von Rico) ersetzt. 2,5er Rigotti Regal Queens drauf, und “lass gehen, Kapelle!”
Fein war, das der Workshop u.a. durch Yamaha, Jupiter und Keilwerth unterstützt wurde - so war ich beim Testen nicht auf mein Prestini beschränkt, sondern konnte insb. je ein sehr schönes Jupiter Artist Series und Yamaha EX Sopran testen. Beides traumhaft schöne Instrumente, die jedes ihren eigenen Charakter entfalten, was mich als bekennendem Yamaha-Skeptiker besonders angenehm überrascht hat, sind die Yamahas doch für absolut perfekte Technik und exakte Intonation bekannt, aber oft wegen der fehlenden “Seele” kritisiert.
Zur Ehrenrettung von Yamaha sei gesagt, dass die Kritik sich in aller Regel auf die weit verbreiteten Serien für Schüler und Intermediate bezieht - da ist allerdings genau die Exaktheit wichtig, damit der Fehler beim Lernenden und nicht beim Lernwerkzeug liegt. Die Custom-Modelle haben eine völlig andere Philosophie… …und das merkt man beim Anspielen sofort.
Was m.E. nicht nötig gewesen wäre, war die Auslage der Listenpreise - die sind ohnehin völlig unrealistisch, ziehen einem aber auch wirklich die Schuhe aus. Gemessen am Listenpreis und der “gefühlten” Performance brauchten sich die Jupiter Instrumente jedenfalls im Vergleich nicht zu verstecken - sie hatten ihre eigenen Qualitäten, und die Artist Serie heißt nicht umsonst so. Diese Instrumente sind geeignet, den letzten Vorbehalt vor Taiwan-Instrumenten zu verlieren.
Schön auch, was Keilwerth mitbrachte, wenn auch leider nur zum letzten vollen WS-Tag. So konnte ich mein SX90R Tenor (ab sofort Codename “Dampframme”) mal gegen das Shadow spielen, und bin nochmal mehr überzeugt, dass ich das für mich richtige Horn zuhause habe. Ein nettes Alto war noch dabei, das so neu war dass es noch keine Preise dafür gab - spielte sich genial, ernüchternd war aber die Info, dass von diesem Horn das allermeiste in China gebaut wird - völlig Un-Keilwerth, wenn man mich fragen wollte…
Was mir fehlte, war ein schönes Keili-Sopran. Das hätte bestimmt mit dem Steamer-Prototyp Laune gemacht. Aber so ist das Leben. Ebenfalls fast schon sträflich: Im Gespräch kam die Info raus, dass es ein SX90R in unlackiert gibt!!! Das hätte ich natürlich liebend gern mal verglichen. Dürfte extrem vintage klingen… wer weiß, vielleicht ist es besser, wenn ich das Horn nie anteste, sonst komm ich am Ende noch ins Grübeln…
Eine tolle Arbeit lieferte auch wieder unser aller ToKo, der fast durchgehend zusammen mit seinem “Apprentice” Johannes kleine und große Macken an den vorgelegten Hörnern identifizierte und behob, oder Tipps und Tricks zur Selbsthilfe und Fehlervermeidung gab. Seit einem kleinen Eingriff an der Gis-Klappe spielt mein Selmer Padless jetzt auch von oben bis unten durch… …ach, da hatte ich noch nicht detailliert drüber geschrieben? Kommt noch, hehe…

Unschlagbar waren die Jam-Session am Freitag abend und das Abschlusskonzert. Solche Momente dürften nie zu Ende gehen, und sie fanden zum Glück auch erst sehr spät ihre jeweiligen solchen. Es bleibt zu hoffen, dass die erzeugten Mitschnitte in Kürze ihren Weg auf Saxwelt finden - zum Glück mussten ja alle unterschreiben (wenn auch virtuell), dass sie mit der Veröffentlichung von Bild- und Tonmaterial einverstanden sind. Ich fiebere jedenfalls schon vor dem Schlusskonzertfilm…
Die Leiche im Keller (7)
Am 16.08.07 in Die Leiche im Keller. [14">]Kommentare .
Eigentlich ist es ja ein bisschen unfair, die Auflösung des Ganzen erst jetzt zu schreiben - aber es war einfach zuviel los in der Zwischenzeit und so war es mir nicht eher vergönnt:
Wie soll ich sagen - die Leiche wurde wieder erweckt!
ToKo und sein fleißiger Azubi Johannes haben die als Puzzle übermittelte alte Kanne tatsächlich nicht nur von Grund auf gereinigt, gepolstert und geölt, das Sax ist auch so sauber justiert, dass es mit einem wunderbar warmen Ton von oben bis unten butterweich anspricht. Mit einem entsprechenden Mundstück kann es zwar auch frech, aber genau der dunkle Ton, von dem ich zarte Andeutungen ja schon beim Test im ursprünglichen, erbarmungswürdigen Zustand herausbekam, ist genau das, weshalb ich das alte Schätzchen wieder klingen hören (und lassen) wollte.
Na los, fragt schon - warum hab ich mir trotz der wiedererstandenen “Leiche” noch mein “Traumsax” gekauft? Habe ich nichts besseres zu tun, als Koffer unterm Gästebett zu sammeln?
Naja, der Punkt ist - mein Traumsax ist ein Keilwerth, und ein Keilwerth bleibt ein Keilwerth. Die Ex-Leiche ist ein - nun, wir wissen es bis heute nicht sicher. Alle Indizien sprechen inzwischen nach einhelliger Meinung vieler Befragter für ein umgraviertes Orsi. Von den Dingern gab es wohl mal ziemlich viele verschiedene Ausprägungen mit ganz vielen fantasievollen Namen. Einige davon tauchen gelegentlich auf eBay (meist .com) auf, man muss aber schon Glück haben, es zu finden. Der auf meinem eingravierte Name “Impala” hingegen ist bislang einzigartig.
Es bleibt jedoch alles in allem ein Saxophon von eher durchschnittlicher Verarbeitungsqualität, und in puncto Sound ist es zwar für Alter und Zustand beeindruckend, aber eben doch Welten von einem guten Keili entfernt. Immerhin macht es ein ganz hervorragendes “Reserve-Tenor”, und damit habe ich Grund genug, es nach der langen Vorgeschichte auch zu behalten.
Übrigens ist es nicht mein letztes Tenor - aber auf das legendäre Selmer “Padless” komme ich demnächst nochmal im Detail zu sprechen…
Ein Traum wird wahr…
Am 21.06.07 in Allgemein. [13">]Kommentare .
Ich habe es gefunden - das, was jeder angehende oder fortgeschrittene Saxophonist irgendwann anfängt, zu suchen, aber nur sehr schwer findet: “Mein” Saxophon.
Naja, eigentlich war es jetzt nicht soooo schwer, die richtige Wahl zu treffen - bin ich doch den Saxophonen der Firma Julius Keilwerth schon direkt zu Anfang meiner autodidaktischen Bemühungen verfallen. Aber wie es der Zufall wollte, hatte mein Sax-Lehrer just jetzt ein Tenorsaxophon zuviel in seiner Sammlung, und genau das Modell, was man für den deutschen Saxophonbau mit Fug und Recht als “State of the Art” bezeichnen darf: Das Keilwerth SX90R.

Dass es nicht schlecht sein konnte, sah man ihm beim Auspacken schon an - ich hatte bislang schon einige viel gespielte Instrumente in der Hand, aber eins, das nach gerade mal gut 10 Jahren schon so aussah - keine Frage, dieses Sax hat einiges von der Welt (oder zumindest von manchen Bühnen) gesehen. Aber Optik ist nicht das, wofür man sich so ein Sax zulegt - wenn ich eine Show-Kanne hätte haben wollen, die gibt es für vergleichsweise überschaubares Geld an jeder Ecke. “Mein” Sax muss einfach super laufen und meinen weiteren Lerneifer durch tadellose Funktion unterstützen. Ich will, dass ich meine Fehler erkennen und ansonsten meinen Sound produzieren kann - und nicht durch die zwei großen Hände voll Blech vor meiner Schnute eingeschränkt werden.
So kann ich also nach manchem Versuch und vielen Suchansätzen behaupten: Meine Suche ist - zumindest was das Tenorsaxophon angeht - zuende. Schade für alle, die vielleicht noch alte Conns, Bueschers, Martins oder auch Keilwerths haben, auf denen potenziell mein Name gestanden hätte - nach diesem hier kauf ich keins mehr. Wie mir ein lieber Kollege im Saxwelt-Chat bestätigte: Das ist ein geiles Gefühl, wenn man diesen Punkt erreicht hat.
Die Leiche im Keller… (6)
Am 07.06.07 in Die Leiche im Keller. [12">]Kommentare .
Gleich vorweg, nach langer Pause folgt ein Update, und es ist ein Update ohne Bilder…
Der “Leiche” haben wir’s bislang tüchtig gegeben - nach einigen wenigen kurzen und heftigen Sitzungen war aus einem vollständig spieluntauglichen Tenorsaxophon ein leidlich gereinigtes Saxophon-Puzzle geworden.
Ein gelegentlicher Besuch beim bereits erwähnten Freund Maik hätte ein ganz wesentliches Problem aus der Welt schaffen sollen: Das berüchtigte lockere Böckchen. Im Prinzip auch kein Problem, denn “nach fest kommt ab”, und nach locker schonmal gleich richtig. Das wie ein Lämmerschwanz wackelnde Teil war denn auch mittels einer halbwegs brauchbaren Lötgelegenheit schnell gelöst. Das erneute Anbringen gestaltete sich hingegen schwieriger. Meine eigenen Versuche waren ja schon kläglich vor die Wand gelaufen, aber Maik hatte einiges an Sax- und sonstigen Instrumentenschraubereien, und so hätte es lösbar sein sollen (respektive fixierbar - ich glaube, der Punkt wird klar…).
Nach einigen Versuchen entschieden wir uns, den Saxkorpus bei ihm zu lassen, so dass er mit richtigem Gerät ans Leder - oder hier halt ans Messing - gehen konnte. Ich wollte in der Zwischenzeit die Klappen ausmessen, damit ich mich mit dem nötigen Reparaturmaterial eindecken konnte.
Aus Tagen wurden Wochen - das Ende vom Lied war, dass das Böckchen immer noch lose neben dem Korpus im Koffer lag, die mehr oder minder ausgemessenen Klappen ausgemessen blieben (weil Maik aus diversen Gründen seine Materialbestände veräußern und seinen Sax-Zubehör-Shop einstellen musste) und ich statt der ursprünglichen Leiche nunmehr einen Haufen Leichenteile mein Eigen nannte.
Die Rettung nahte dann in Form meines absoluten Lieblings-Saxdocs und guten Freundes ToKo. Er erfreut sich als Holzblasinstrumentenmachermeister (was ein Wort - dagegen klingt mein Ausbildungsabschluß wie eine Lachnummer) seit kurzem eines Auszubildenden, und ein ausgedehntes Telefonat mit Fachsimpeleien ergab, dass mein Sax-Puzzle genau das richtige Lehrobjekt sein könnte. So sitze ich seitdem auf der Wartburg und harre der Rückkehr eines dann - wenn auch außerplanmäßig unter Einsatz von Handwerkerkosten - restaurierten “Impala”.
Die Leiche im Keller… (5)
Am 07.06.07 in Die Leiche im Keller. [11">]Kommentare .
Der nächste Schritt kann eklig werden, vor allem, wenn man das noch nie versucht hat und generell eine gewisse Aversion gegen verbrannte Finger hat.
Rund um das, was vom Sax übrig ist, liegt ein Haufen Klappen voller schrecklich vergammelter alter Polster. Da hilft alles nichts - die müssen jetzt raus. Also einen ordentlichen Schuss Brennspiritus in die kleine “Lötlampe”, Feuer gelegt und ran an den Feind.
Kaum zu glauben - es gibt keine unerwarteten Komplikationen. Im Gegentum. Die teilweise angelaufenen und vergrünspanten Klappen sehen sogar etwas blanker aus, nachdem die Flamme der Lampe erst mal kräftig eingewirkt hat. Der verwendete Kleber ist allerdings auch schauerlich. Ist er nicht heiss genug, zieht er mehr Fäden als ein Käsefondue; ist er zu heiss, riecht es lecker… *urks* Die Ausdünstungen der Gammelpolster tun ihr übriges…

Volume “Empty” is full…
Na denen haben wir’s aber gezeigt. Alle Klappen sind geleert, die wenigen Reste des üblen Klebers sind erstaunlich empfänglich für Abschabeversuche in erkaltetem Zustand. Also bruzzeln wir nicht weiter, sondern lassen die Klappen wieder abkühlen. Glück gehabt: Die Perlmutt-Einlagen (die aufgrund der z.T. unebenen Kanten wohl auch nicht mehr die Originalen sind) scheinen echt zu sein und haben sich von der Hitze der Spirituslampe nichts angenommen. Augenscheinlich sind sie auch mit irgendeinem recht Hitzeresistenten Teufelszeug eingeklebt. Da sie noch leben, gibt’s keinen Anlass, das weiter zu hinterfragen - sie bleiben unbehelligt wo sie sind.

Kaum zu glauben - soviele verschiedene Polstersorten in nur einem Sax
Der versammelte Polsterschrott treibt einem die Tränen in die Augen. Was ich da rausgeholt habe, stammt augenscheinlich aus mindestens drei Jahrzehnten und wurde da, wo es nicht nach Erstausrüsterqualität aussieht, offenbar eher schlecht als recht eingepasst. Die Maße für die neuen Polster nehme ich dann wohl doch lieber direkt an den Klappen…
Irgendwie ist es gut, dass es so schnell vorbei ist. Jetzt wird auch klar, warum ich noch Testtöne aus der Kanne herausbekam: Die vermutlichen Originalpolster waren so tief eingedrückt, dass sie die Tonlöcher nicht mehr abgedeckt sondern regelrecht umschlossen haben. Zum Zweck der besseren Maßbestimmung für die Ersatzpolster hebe ich das Ekelzeugs trotzdem mal noch ein paar Tage auf. Der Mülleimer freut sich schon.

Sub-Etha-Putzomatic
Zum Abschluss des Bastelabends kommt jetzt noch ein Probelauf mit dem Sub-Etha-Putzomatic (a.k.a. Discounter-Dremel). Die Billig-Polierfilze fusseln zwar wie Tier, leisten aber in Verbindung mit der Metallpolitur gute Arbeit. Das, was die Bezeichnung Lack noch verdient, weiss sogar noch, wie man glänzen schreibt - wenn’s nicht so traurig wäre, dass das Sax überhaupt diesen bedauernswerten Zustand erreicht hat, wär’s erfreulich.
Sorge macht mir noch das lockere Böckchen. Tests mit dem Brateisen zeigen, dass zum Anlöten solcher Teile doch etwas mehr gehört. Zum Glück muss ich eh mal wieder Maik besuchen… passend kommt eine Mail von ihm; wir bruzzeln das in seiner Werkstatt zurecht und ich kann direkt passende Federn, Kork, Kleber und Polster einkaufen. Bis dahin gibt’s noch mindestens einen weiteren Polierabend für den Korpus plus einen weiteren für die Klappen. Aber erst wenn das erste neue Polster klebt, glaube ich wirklich daran, dass das Instrument wieder erstehen wird…
Die Leiche im Keller… (4)
Am 07.06.07 in Die Leiche im Keller. [10">]Kommentare .
Heute machen wir uns an die “Leichenwäsche” - zuvor sind zwar noch die beiden hartnäckigen Achsen zu demontieren, aber danach soll die olle Kanne wieder auf Hochglanz gebracht werden - im Rahmen des Möglichen zumindest…

Ein letzter Detailblick…
Die Vorhersage traf zum Glück nicht ganz zu, die neuen Schraubendreher kosteten “nur” 22 EUR (für 4 flache und 2 Kreuzschlitz-Dreher), sollen angeblich besonders stabil sein… da noch Budget übrig war, hab ich für meinen Aldi-Dremel-Clone noch einen Satz Schleif- und Poliereinsätze gekauft, mit Betonung auf “Polier-”, denn das ist das Hauptziel (ich hoffe, ich muss nicht doch eins der Trennscheibchen auf die beiden Achsen ansetzen…).

Der kleine Unterschied zwischen Wühltisch und richtigem Werkzeug
Vor Arbeitsantritt spuken schon Ideen im Kopf, was die eigentliche Reinigung angeht. Handarbeit über alles, aber da waren diese hochinteressanten Erfolgsgeschichten von Saxophonen in der Spülmaschine… na ick weeß nich… immerhin ist der Korpus lackiert, und ob 60er-Jahre Lack sich mit 90er-Jahre-Geschirrspülern anfreunden kann?!?

Achtung, Nacktfoto!
Eine Kleinigkeit fällt bei der Sichtkontrolle auf: M*st, eins der Böckchen wackelt - und zwar, weil das Blech darunter an einer Seite nicht mehr fest mit dem Korpus verbunden ist. Na toll - bislang dachte ich, die Sache geht ohne Löten aus, aber da der Rest des tragenden Bleches noch ziemlich solide wirkt, reicht vielleicht ein vorsichtiges anpunkten mit meinem Brateisen… da es dazu noch an einer zumindest einigermaßen sichtbaren Stelle wäre, möchte ich ungern den Lack noch mehr verhunzen als das der Zahn der zeit schon hinbekommen hat.

Uiuiui - das Sax ist geplatzt…
Erwähnenswerter Lichtblick bevor es losgeht: Das herauslösen von ca. der Hälfte der Polster kann ich mir sparen - die haben sich inzwischen von selbst verabschiedet. Da hielt nix mehr… nur noch den ekligen Kleber irgendwie aus den Klappen bekommen, aber lt. ToKo ist die allgegenwärtige Spirituslampe mein Freund…
Na dann ran an den Feind - die neuen Werkzeuge haben tatsächlich kurze Fünfe mit den störrischen Achsen gemacht. Durch blosse Zuhilfenahme von etwas Holzbläser-Öl (ich habe nicht ToKo’s Hausmarke genommen, es ging aber trotzdem) liessen sich die Achsen lockern und kamen schließlich frei. Höchst unerfreulicher Seiteneffekt der Oxidation von Eisen ist, dass das Produkt dieser Reaktion recht bröselig ist - oder zu gut deutsch, die beiden Starrköpfchen bedürfen nun des vorsichtigen Schnitts neuer Schraubschlitze, sollen sie jemals wieder eingesetzt werden (nochmal einsetzen ginge wahrscheinlich sogar so - aber sie dann wieder loskriegen schreit mindestens nach der berüchtigten Bohrlehre - oder dem Dremel…).

Das sieht nach Arbeit aus!
Nach Abschluss der Freilegungsarbeiten wird das ganze Ausmaß der anstehenden Arbeit deutlich. Das schon entdeckte lose Böckchen bleibt zum Glück das einzige seiner Art. Das ändert nichts daran, dass die Feuchtigkeit, die die Achsen wunderschön sommerlich gebräunt hat, gleiches auch an einigen Stellen mit dem Lack zuwege brachte - nicht ohne den Polstern - oder was davon übrig war - eine dezente Schimmel-Note zu verpassen.

Schadensübersicht
An den Kaminen zeigt sich z.T. ebenfalls Korrosion, von der noch festzustellen sein wird, wie stark sie die Ebenheit der Tonlöcher beeinträchtigt. Ich hoffe natürlich, eher weniger…
Die Leiche im Keller… (3)
Am 07.06.07 in Die Leiche im Keller. [9">]Kommentare .
Jetzt wird’s interessant. So ein Saxophon ist eine komplexe Maschine, und besteht aus einer schieren Unmenge von Einzelteilen.
Als erstes nehme ich mir also den S-Bogen vor - der hat eine überschaubare Detailtiefe und ist verhältnismäßig schnell und auch von weniger geübter Hand in einen benutzbaren Zustand zu versetzen. Die Grundreinigung erledigen Polierpaste (”Autosol”), Spülmittel, eine alte Zahnbürste und zwei Flaschenbürsten (die so heissen, weil man sonst Babyflaschen damit sauber macht). Zunächst wird die Tropfsteinhöhle aus dem Inneren des Bogens entfernt. Was auch immer der selige Vorbesitzer dieses Instrumentes zu rauchen pflegte, es liesse sich aus diesen Relikten wahrscheinlich rekonstruieren. Schwamm drüber (naja, okay, “Bürste”).

Der “unrenovierte” S-Bogen
Nach Schrubben, wienern und Polieren geht es mit dem Bogen zu Maik (Woodwind24). Wir kleben bei einer Tasse Kaffee ein neues Polster ein. Gut - der Kork ist nicht mehr der Brüller, aber er hält noch, das Mundstück wackelt nicht, und ich habe einen S-Bogen, mit dem ich arbeiten kann.
Da auch der Ekelfaktor weg ist, rauf auf das Instrument mit dem Bogen, mein liebes Link N.Y. 8* drauf, und mit den wenigen Klappen, die noch dazu angetan sind, ihre Tonlöcher zu bedecken, mal probiert, was geht. Klingt nicht mal schlecht. Aus diesem Horn ist vielleicht doch noch was zu machen?

Noch etwas Korrosion gefällig?
Na dann, runter mit der Mechanik. Zunächst puhlen wir die Klappenschutzbleche runter - das wird schon dadurch spannend, dass nicht alle Schrauben mehr wirklich schraubbar sind. Aber mit etwas Geduld geht’s noch so gerade. Zwei Schrauben überleben die Aktion dennoch nicht - Ersatz wird sich hoffentlich finden lassen.
Als nächstes sind die Palm-Keys dran - die sind handlich und leicht zu demontieren… denkste! Zwei sind ruckzuck gelöst, die rostigen aber noch stabilen Achsen wieder in ihrem Röhrchen geparkt und liegen stumm neben dem Sax. Die dritte Achse bewegt sich keinen Millimeter. M*st. Nun kommen die Limitierungen der 3,98-EUR-Wühltisch-Schraubendreher zum Tragen. Kraftübertragung ist irgendwie anders…

Der einzige Tisch, der sprechen kann: “Mach mich wieder ganz…”
Also erst mal weitersehen. Fast die gesamte übrige Mechanik ist in nur 20 Minuten abmontiert und fein säuberlich neben dem Instrument aufgereiht. Die Spitzschrauben und Achsen haben zwar Rost, leben aber noch. Zum guten Schluß bleiben noch die beiden großen Becherklappen (H und B bzw. B und Bb - je nachdem ob man’s lieber deutsch oder englisch liest…) - und wie üblich, ganz am Schluß muss ja nochmal was schiefgehen… die Achse macht keinen Mucks.
Reibungsverluste bis dahin: eine notdürftig aber zum Glück ohne Bruch zurechtgedengelte Oktavmechanik, ein Arsenal vergrünspanter Klappen mit angerosteten Achsen und rostigen Spitzschrauben, zwei gehimmelte Halteschrauben von den Klappenkäfigen, ein verbeulter solcher (mit viel Geduld einigermaßen wieder hinbekommen) und von all den eingerosteten Stahlfedern nur eine gebrochen - aber fast alle austauschbedürftig. Das wird lustig.

Der Delinquent vor der Demontage
Morgen geht’s erst mal vernünftige Schraubendreher kaufen (werden wahrscheinlich teurer als das Sax bisher, aber ich hätte ohnehin einen neuen Satz gebraucht), und Ideen für das Lösen der beiden festen Achsen suchen…
Die Leiche im Keller… (2)
Am 07.06.07 in Die Leiche im Keller. [8">]Kommentare .
Bevor man sich an etwas Neues wagt, sollte man das Handbuch lesen…
Okay, genug der Witze - ich bin von Haus aus Tekkie und Handbücher sind die Dinger, in die man reinschaut, wenn man eine Sache schon kaputt-probiert hat.

Das Opfer in seinem Überführungs-Sarg
Ich stehe also nun vor einer Saxophon-Leiche und mache mich an die Obduktion. Zu jeder Saxophon-Reparatur gehört, dass man sich darüber klar wird, was für ein Instrument (Bauart, Material, Eigenheiten) man vor sich hat. Im vorliegenden Fall ist der eingravierte Name “Impala” nicht einmal der Hauch einer Hilfe. Die ergänzende Gravur “Ges Gesch Bayreuth” kann auch alles und nichts heissen. Ein erster Anhaltspunkt, dass es sich bei diesen Beschriftungen nicht um Originalgravuren des eigentlichen Herstellers handelt, ergibt sich aus der Tatsache, dass sie erkennbar nach der sonstigen Bechergravur angebracht wurden - die Schriftzüge sind nämlich teilweise korrodiert, was bei der übrigen Gravur nicht passiert ist. Auch findet sich rückseitig unter der Seriennummer ein Bereich, der aussieht, als sei hier etwas übergraviert oder weggekratzt worden. Dies könnte z.B. eine Firmen- oder Herkunftslandmarkierung (”Made in Sonstwo”) gewesen sein.
Gut, so kommen wir nicht weiter, also gehen wir ins Detail. Erster Schritt: Altersbestimmung.
Das Instrument ist in Bicolor ausgeführt, der Korpus ist goldlackiert, die Klappen (oder was davon übrig ist) vernickelt. Diese Ausführung sowie die vernickelten und aufgeschraubten Klappenschutzbleche sprechen für ein Design aus den 60er bis 70er Jahren. Die gleiche Sprache spricht auch der sog. “Tisch” (Hebel für die H-B-Cis-Gis-Mechanik), dessen Ausführung derjenigen entspricht, die B&S/Weltklang bis in die 80er Jahre bauten, und die sich ansonsten bei vielen Saxophonen zwischen 1950 und Mitte der 70er Jahre findet. Damit die “schlechte” Nachricht: Es ist eindeutig nichts mit “Vintage”. Die gute Nachricht: Es könnte tatsächlich noch jemand leben, der was über die Entstehung dieses Saxophons weiss. Also suchen wir weiter.
Zweiter Schritt: Hersteller ermitteln.
Eine Firma Impala mit Bezug zu Bayreuth gab es offenbar nicht. Zumindest konnten angemailte Musikalienhändler aus Bayreuth ebensowenig helfen, wie kreatives Googeln nach Hinweisen. Spekulationen in Richtung “Ostblock-Sax” verboten sich wegen der Bauart und insb. der sehr aufwändigen Fertigung mit auf großflächigen Blechen aufmontierten Böckchen, die dann als Baugruppe auf den Korpus aufgelötet sind, der auffällig ziselierten Verbindungsringe zwischen Korpus, Bogen und Becher, sowie der generellen Klappenanordnung, die für Amati und B&S als “Hauptverdächtige” vollkommen untypisch ist. Ein Hinweis darauf, dass Keilwerth auch schonmal gern für andere Firmen “Stencils” gebaut habe, brachte mich darauf, an der Quelle nachzufragen. Die Auskunft kam postwendend: Man sei dort 100% sicher, dass dieses Sax nicht aus Keilwerth-Produktion stamme, schließe aber ebenfalls eine Ost-Herkunft aus. Am ehesten könne es sich um ein italienisches Fabrikat handeln.

Die Verbindungsringe - ein Herkunftshinweis?
Treffer - versenkt. Ein bisschen einschlägige Saxophonbilderseiten durchforstet, auf eBay nach italienischen Saxophonen gesucht, und da waren die fehlenden Hinweise:
Die gesamte Bauart, und insb. die auffällig ziselierten Verbindungsringe sprechen dafür, dass es sich hier um eine Bauweise handelt, die bei Grassi oder Orsi üblich war. Damit bestätigt sich, dass es sich in jedem Fall um ein ehedem hochwertiges Instrument handelt, und man im spielfähigen Zustand durchaus einiges davon erwarten könnte - wenn es denn jemals wieder “singen” sollte…
Die Leiche im Keller…
Am 07.06.07 in Die Leiche im Keller. [7">]Kommentare .
Der etwas provokante Titel dieser Seite ist bewusst gewählt:
Es war Ende 2004, als ich mich - mal wieder auf eBay - nach einem günstigen Zweit-Tenor umschaute. Dabei fiel mein Blick auf ein - den Bildern und der Beschreibung nach zu urteilen - recht gut erhaltenes und vor allem in der Verarbeitung sehr interessantes Tenorsaxophon, das mit dem Namen “Impala” angepriesen wurde.

Der Name sagte mir wie auch einschlägig Saxophon-Erfahrenen, die ich befragt hatte, nicht wirklich viel. Daher habe ich meiner Experimentierfreude freien Lauf gegönnt und einfach mitgesteigert. Für einen relativ moderaten Betrag (gemessen an sonst üblichen Preisen für ältere und spielbereite Tenorsaxophone) bekam ich denn auch den Zuschlag.


Für was ich geboten habe…
Der Schock kam dann auch mit der Post… (und sollte Wasser auf die Mühlen all derer sein, die den Instrumentenkauf über eBay kritisch beäugen)
Das Instrument, das nach Auskunft des Verkäufers “bis vor kurzem noch gespielt” worden war, entpuppte sich als ein unsachgemäß gelagertes und mit Sicherheit seit Jahren nicht angefasstes Teil, dessen Fehlerliste sich aus erheblicher Korrosion, verbogenen Mechaniken und herausfallenden Polstern aufbaute und von einem durch Schlagschäden unbrauchbar gewordenen Koffer nur noch abgerundet wurde.


…und was ich dann bekam!
Eine Rückabwicklung wurde seitens des Verkäufers nach elend langen Versuchen der Kontaktaufnahme abgelehnt, weshalb die Sache in das Käuferschutzverfahren ging. Am Ende des sechs Monate währenden Liedes stand dann eine anteilige Schadensregulierung durch eBay, die mich mit einem Restschaden von 37 EUR (Eigenanteil + Versandkosten) und einem unbrauchbaren Saxophon sitzen liess.

Sisters of Mercy: “Bring this corrosion to me…”
So weit, so schlecht. Nachdem das von eBay geforderte Gutachten attestierte, dass diesem Sax nur durch eine Generalüberholung zu helfen sei, die den Einstandspreis locker verdreifacht hätte, und das defekte Sax jetzt auch niemand mehr haben wollte, blieben drei Möglichkeiten: Entsorgung (nicht meine Art…), als Dekoration an die Wand nageln (nett, aber mit Grünspan und schimmeligen Polstern eher unattraktiv) oder die Reparatur einfach mal selbst versuchen. Lichtblick dabei: Viel mehr als etwas Zeit, einen Satz Polster und ein bisschen Polierpaste kann man dabei eigentlich nicht verheizen, und 37 EUR sind ja eh schon futsch… ausserdem lerne ich immer gern Neues dazu.
Tja, und damit beginnt die Geschichte von der Leiche im Keller, denn dort ist mein Basteltisch und dort liegt seit dem 14.3.2006 ein Tenorsax unbekannter Herkunft und harrt seiner Auferstehung.
Alles neu…
Am 07.06.07 in Allgemein. [3">]Kommentare .
Nach ungefähr vier Jahren wurde es Zeit, diese Site massiv zu überarbeiten.
Die alte Version der Site gibt’s noch - und zwar hier.
Sobald ein passendes Theme gebaut wird, werden die alten Inhalte sukzessive hierher übernommen. Dann wird’s auch leichter mit der laufenden Seitenpflege.
Weiter viel Spaß beim Schmökern!
Jerry
