Was lange gärt…

…wird endlich Wut. Sagt man.

Dieses Blog hatte jetzt eine ganze Weile Pause und Gelegenheit zum Reifen (nein, es hat keine komischen pelzigen Stellen entwickelt) – aber nachdem ich nun geschlagene 1744 Spam-Kommentare beseitigt und eine Captcha-Abfrage installiert sowie WordPress auf die aktuelle Version und damit iPhone-Update-fähig gemacht habe, möchte ich die Sache reaktivieren.

Ein paar ermutigende Feedbacks in der Zwischenzeit von interessierten Saxern und solchen, die es werden wollen, haben mir gezeigt, dass der Wunsch nach “mehr” immer noch da ist. Bei mir auch. Passt ja dann.

Es hat sich aber auch einiges getan seit dem letzten Posting. Tieftrauriges ebenso wie erfreuliches – und stimmungsabhängig werde ich beides hier anschneiden wenn sich die Gelegenheit ergibt. Der Pläne sind da jedenfalls einige:

– Das Selmer Padless soll mal wieder entstaubt werden – es gab einen sehr netten Kommentar von Wolf Codera, dem ich weiter nachgehen möchte, und ausserdem lacht mich das Ding einfach mal wieder an.

– Das Pennsylvania Special wünscht sich mehr Aufmerksamkeit – die soll es kriegen. Ich schulde einigen Interessenten noch Fotos.

– Ein zwischenzeitlich erfolgter Umbau hat mir ein vollwertiges Musikzimmer spendiert (ich brauch’s nicht mehr mit unvernünftigen Massen bunter Plastiksteine aus Dänemark zu teilen – nicht dass mir das was ausgemacht hätte, sind ja beides meine Hobbies…)

– Bei meinem Lieblings-Saxdoc liegt immer noch ein unvollständiges Conn Straight Neck C-Melody (genauso eins wie ich inzwischen voll restauriert mein Eigen nennen darf) welches wiederbelebt werden und an einen interessierten Saxer gehen soll.

Und dann gibt’s da sicher noch ein paar mehr Themen, die ich endlich mal anschneiden mag – in der Hoffnung, dass sie auf Interesse stoßen.

Übrigens habe ich nun auch meine allgemeinere Homepage ausgefegt und verbloggt – aber wer sich dafür interessiert, wird sie schon gefunden haben. Langsam verstehe ich WP und es scheint mich auch zu verstehen. Das macht Mut.

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Neu verliebt in hohe Töne…

Ich hätt’s ja nicht für möglich gehalten – obwohl, doch, eigentlich schon, denn ich weiß ja, wen ich gefragt habe – aber ich habe mich sozusagen neu verliebt: In mein Sopran-Sax!

Jaja, ich weiß, man soll mit Begriffen wie “verliebt” lieber sparsam umgehen, aber es ist schon ziemlich intensiv, was mich da gerade mit meinem kleinen schwarzen “Hochtöner” verbindet. Hans-Werner Peters, der Meister der Steamer-Mundstücke, hat mich mit einem – nein, mit _DEM_ Sopran-Steamer beglückt.

Bislang hatte mein Prestini-Sopran immer einen schweren Stand, bin ich doch eigentlich dem Tenor verfallen und auf diesem auch schon lange be-Steamer-t. Für das Sop besaß ich bis dato “nur” ein unsägliches Yamaha 4C, Selmer S80C* und ein 7er Otto Link STM, welches nach etwas Refacing für den Einsatz in der Kirchenmusik ganz passabel war – aber eben auch nicht mehr.

Auf dem letzten Saxwelt-Workshop hatte Hans dann erstmals einen Steamer-Prototyp für Sopran dabei – das Teil war bereits der Hammer – noch ohne abschließende Politur und weitere Verzierungen hatte ich es ihm aus den vom Schleifen verstaubten Fingern gerissen, vermittels eines “Kettenhemdes” (Rico Olegature – für Alto!) ein 2,5er Queens Blatt darauf gefesselt und mich fortan nur noch unter Anwendung chirurgischer Mittel von diesem Superteil trennen lassen. Entsprechend heiß war ich auf das erste “Serien”-Modell (sofern man bei Hans überhaupt von “Serie” sprechen mag, ist doch jedes Steamer Maßanfertigung für den Empfänger…).

Was soll ich sagen, ich bin von den Socken! Das – wie bei Hans üblich mit Zertifikat gelieferte – Steamer ist der absolute Hammer. Mit der für mich absolut idealen 0.70er Öffnung ist es mit einem 2,5er Blatt problemlos spielbar, mit einem 2er (Barre bzw. Rigotti Regal Queens) geht es bombensicher auch bis in die Palm Keys hinauf ohne zu kieksen oder abzuschmieren. Der Sound ist Steamertypisch “fett” und rund, fast glaubt man, eher ein Alto als ein Sopran-Sax in der Hand zu haben, so voluminös ist der Ton. Was natürlich ein Produkt der wirklich ideal angepassten Kammer ist.

Fotos und Soundbeispiele muss ich erst noch produzieren, nach jeweils einer einstündigen Session mit dem Mundstück gestern und heute muss ich erst einmal meiner Begeisterung Luft machen, dann geht’s an die Details.

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Neues aus Pennsylvanien…

Ich habe noch ein wenig recherchiert – wie bei allen meinen Instrumenten weiß ich gern etwas mehr über die Geschichte, die sie zu erzählen hätten, wenn sie denn könnten…

Es scheint tatsächlich so zu sein, dass die Pennsylvania Special eine Serie von Saxophonen war, die Selmer USA im Vertrieb hatte, und zwar nach diversen Quellen ungefähr im Zeitraum von 1930-1960. Nicht alle Pennsylvania gelabelten Saxophone waren “Specials”, es gab scheinbar auch “einfachere” Modelle, die sich insb. durch deutlich weniger Aufwand bei der optischen Gestaltung und – hier fehlen mir gesicherte Angaben – den dann nicht mehr gebördelten Tonlöchern unterscheiden.

Der für mich als bekennender Keilwerth-Fan wichtigste Unterschied aber dürfte der Hersteller sein, denn Selmer hat die Hörner für den US-Verkauf fertigen lassen. Zumindest vor dem Krieg dürfte das auf Keilwerth in Kraslice (ehedem “Graslitz”) hinauslaufen. Es soll noch “Specials” gegeben haben, die unter Amati-Label und damit in der Nachkriegs-Tschechoslovakei angefertigt wurden – Belege dafür habe ich nicht. “Mein” Penn ist jedenfalls mit “Made in Czechoslovakia” markiert, was aufgrund der dort ansässigen Instrumentenbauer vor dem Krieg definitiv ein Qualitätsmerkmal gewesen sein dürfte.

Dennoch sind Selmer USA Saxophone im allgemeinen und solche aus Keilwerth-, Conn- oder Buescher-Produktion im besonderen natürlich eine ganz andere Geschichte als “echte” Selmer-Saxophone. Man mag entweder das eine oder das andere, dazwischen gibt es nicht wirklich viel, weil sich diese Hörner im Charakter wirklich deutlich unterscheiden.

Die etwas verschlungenen Wege des Instrumenten-Zukaufs bei Selmer USA offenbaren jedenfalls einen sehr interessanten Selbstfindungsprozess dieser Firma. Dieser setzt sich anscheinend bis in die heutige Zeit fort, wenn man an die derzeit vielfach anzutreffenden sog. “Conn-Selmer Prelude” Modelle denkt. Von den Qualitäten manches Stencils, der in den 30er Jahren den Weg in die Staaten und in seltenen Fällen auch wieder zurück nach Europa fand, sind diese natürlich meilenweit entfernt…

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Das Pennsylvania Special

Ich bin hin und weg – vor längerer Zeit habe ich ein paar Sax-Ruinen günstig erstanden. Eines davon war ein Altsaxophon mit der Gravur “Pennsylvania Special” (Made in Czechoslovakia) auf dem Becher. Da ich von den Teilen zuvor schon verschiedentlich gelesen hatte, und die Hardware eindeutig zeigte, dass das zu seiner Zeit alles andere als ein Billig-Sax gewesen war, habe ich mich durchgerungen, das Teil meinem Leib- und Magen-Saxdoc ToKo in seine wohlmeindenden Hände zu geben.

Und ToKo hat mal wieder gezaubert – das Penn ist wunderbar geworden. Nicht nur, dass es wieder komplett und spielbar ist, es klingt auch noch sagenhaft. Aber alles zu seiner Zeit, erst mal zum Instrument als solchem:

Das Penn in seinem Koffer
Das Penn Special in seinem Koffer

Einschränkend sei gesagt, ich habe das Sax in schrottreifem Zustand und ohne Koffer bekommen, bekam aber auch einen Yamaha Saxophonkoffer dazu, der zufällig genau passte (das ist bei alten Saxophonen alles andere als selbstverständlich, aber das Penn hat die Becherklappen schon auf der “richtigen” Seite für einen modernen Saxkoffer).

Die Draufsicht verrät schon einen Teil dessen, was das “Special” am Special ist. Dieses Sax hat alles an Luxus zu bieten, was es damals gab: Sämtliche Tasten sind mit Perlmutt belegt, sogar der Tisch ist eine einzige Perlmutt-Orgie. Die Tonlöcher sind allesamt gebördelt (“rolled”), der S-Bogen hat als besonderes Leckerli eine “underslug” Oktavklappe – das gibt es wirklich nur sehr selten. Darüberhinaus ist auch noch der Daumenhalter verstellbar – sowas findet man bei Vintage Saxophonen eher gar nicht. Ein Hammer-Teil…

Die rechte Hand des Penn
Die linke Hand des Penn

Aber damit nicht genug. Nachdem ToKo eine Heidenarbeit in das Instrument gesteckt hat, liefert es auch den erwarteten Sound – jetzt fehlt mir ärgerlicherweise noch ein Alto-Mundstück, das diesen Qualitäten gerecht wird. Aber das sollte sich gelegentlich lösen lassen…

Die inneren Werte des Penn werde ich in den nächsten Tagen mit entsprechendem Bildmaterial dokumentieren – und auch, was ich über seine Geschichte so herausfinden konnte – es sind jedenfalls einige berühmte Namen im Spiel. Dieses Saxophon nicht wieder instand zu setzen, wäre eine Sünde gewesen!

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Interessante Anfragen…

Ich find’s ja toll – seitdem ich mehr oder weniger regelmäßig meine Erfahrungen mit dem Saxophon veröffentliche, bekomme ich die verschiedensten Anfragen zu diesem Thema. Einerseits bestätigt mich das darin, mit diesen Seiten und meinen Aktivitäten auf Saxwelt weiterzumachen, andererseits zeigt es mir, dass ich mal ein oder zwei Dinge erklären sollte:

Ich bin kein Sax-Doc. Jemand, der professionell Saxophone repariert, muss das als Beruf (“Holzblasinstrumentenbauer” bzw. “Holzblasinstrumentenmacher”) erlernt haben. Wer den Beruf nicht im Wege der dafür vorgesehenen Ausbildung erlernt hat, muss deswegen nicht unfähig sein – aber nach meinem Kenntnisstand gehört zu einem Reparaturbetrieb in diesem Beruf in Deutschland nach wie vor der Meisterzwang. Was gut ist, wenn man sich die Ergebnisse der Arbeiten dieser Leute anschaut und anhört.

Ich kann also dementsprechend zwar gern die Tipps und Tricks, die ich selber im Laufe der Zeit aufgeschnappt habe, anwenden und auch weitergeben – aber genauso wie die Geschichte von der “Leiche im Keller” gezeigt hat, dass ich selbst kein komplettes Horn wieder ganz bekomme, kann ich eben nur Anregungen und Hinweise geben, und nicht die ultimative Lösung. Vieles, was ich inzwischen lernen durfte, ist aber andererseits soweit erprobt, dass ich es nicht fair fände, das Wissen nur für mich zu behalten.

Gleiches gilt für Kaufempfehlungen und -erfahrungen: Bis auf ein einziges Saxophon habe ich alle meine Instrumente bislang gebraucht gekauft, ungefähr hälftig über gute Bekannte und Beziehungen und über ein bekanntes Internet-Auktionshaus. Ein Saxophon-Gutachter bin ich deswegen noch lange nicht, nehme aber für mich in Anspruch, inzwischen einigermaßen gut beurteilen zu können, ob ein angebotenes Saxophon längerfristig Freude bringen wird und vor allem, ob es den geforderten Preis zumindest in Ansätzen wert ist.

Das bedeutet, dass ich auch weiterhin an mich herangetragene Fragen aus diesem Feld gern beantworte, allerdings muss ich jegliche Haftung für meine Antworten von vornherein ablehnen. Ich gebe nur meine persönlichen Erfahrungen wieder und verdiene auch nichts damit – wenn ich das wollte, bräuchte ich mehr als nur Erfahrung und – hoffentlich – gesunden Menschenverstand.

Für diejenigen, die mich fragen möchten: Bitte denkt bei Euren Anfragen daran, dass ich ohne einen Link zur fraglichen Auktion oder Fotos des betreffenden Saxophons schonmal rein gar nichts sagen kann. Außerdem ist für eine Bewertung unglaublich wichtig, möglichst genau den Hersteller, das Modell und möglichst auch die Seriennummer des fraglichen Instruments zu kennen. Jegliche Hinweise auf Fehler oder Defekte sind ebenfalls wichtig, da ich inzwischen für einige gängige Fehler einschätzen kann, was deren Behebung kosten kann.

Allerdings gibt es auch kein “Rezept”: Genauso wie vier Saxophonisten (oder Sax-Docs) ein Saxophon mit vier unterschiedlichen Wertansätzen betrachten werden, gibt es auch für Reparaturen oder Überholungen keine amtliche Preistabelle. Ich habe sehr gute “normale” Generalüberholungen für 300 EUR erlebt, andere machen ebenfalls sehr gute Arbeit, berechnen aber mglw. 1000 EUR dafür. Ein Kostenvoranschlag des in Erwägung gezogenen Betriebs ist also trotz aller Voreinschätzungen unverzichtbar. Dieser Kostenvoranschlag sollte aber auch eine sog. “worst case” Betrachtung sein – also “wieviel kostet es im schlimmsten Fall”. Für uns als Kunden ist nichts ärgerlicher, als wenn der Reparateur nach 2/3 oder gar Abschluss der Arbeiten “nachkartet”, und eine viel dickere Rechnung präsentiert. Und eine “verschenkte” Kostenvoranschlagspauschale ist dann manchmal sogar noch akzeptabel, wenn eine Zweitmeinung eine bessere Prognose ergibt.

Übrigens habe ich noch eins gelernt: Es gibt fast kein Saxophon, das ein komplett hoffnungsloser Fall wäre. Es gibt allerdings relativ viele Instrumente, die im Wiederverkaufswert zwischen “gerade noch spielbar” und “frisch überholt” nur so geringe Unterschiede haben, dass eine Generalüberholung sich nur dann rechnet, wenn man das Instrument für den eigenen Gebrauch behalten möchte – dann hat man nämlich auch sehr lange etwas von der hineingesteckten Arbeit (bzw. dem hineingesteckten Geld). Und bei einem angeblich frisch überholten Saxophon, das nicht einmal den bereits genannten Preis für eine ordentliche Generalüberholung kosten soll (demnach das Instrument selber für “unter Null” abgegeben wird) – nun ja, da ist halt irgendetwas nicht in Ordnung und sollte hinterfragt werden.

Was die gemachte Einschränkung “fast” betrifft: Schaut man sich besagtes Internet-Auktionshaus oder die “Einsteigerangebote” größerer Musikalienhändler an, gibt es in letzter Zeit zunehmend sehr billige neue Saxophone im Angebot. Diese stammen fast ausnahmslos aus China und sind zumindest dem ersten Anschein nach Kopien der Instrumente namhafter Hersteller. Gut eingestellt mögen sie sogar eine ganze Weile spielbar sein, ich habe sogar schon vereinzelt welche von den “billigen” erlebt, die einigermaßen ordentlich klangen. Trotzdem macht der Preis Konzessionen an die Verarbeitungsqualität und das verwendete Material. Ein Instrument, das über Jahre hinweg mit wenig oder gar ohne Wartung auskommt, ist das aber definitiv nicht.

Was sich nicht gegen Saxophone aus China generell richtet. Einige Markenhersteller beziehen wesentliche Teile oder sogar vollständige Instrumente aus China, legen aber dann ganz andere Qualitätsmaßstäbe an und schicken auch ihre eigenen Leute zur Kontrolle hin. Ein solches Saxophon ist dann allerdings nicht für unter 300 EUR zu haben sondern kostet signifikant mehr.

Letztlich – auch wenn es manchem Einsteiger schwer fällt und das Geld auch nicht auf Bäumen wächst – darf der Motivationsfaktor nicht vergessen werden: Ein Sax für ein paar Euro zum “ausprobieren” mag nicht besonders wehtun, und der Schaden ist auch nicht groß, weil man es meist für den Preis oder unwesentlich darunter wieder los wird. Es macht aber auch weniger Spaß, und wegen des geringen Risikos ist auch kein Leistungsdruck da. Gibt man hingegen eine ordentliche Summe (der Preis guter Saxophone liegt je nach Einkommenssituation schon mal ganz schnell bei einem Netto-Monatsgehalt, bei sehr guten noch weitaus höher) aus, dann lernt man, das Ding zu spielen – und wenn es einen umbringt!

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Die Padless Technologie

Zugegeben, führt man sich vor Augen, dass das Saxophon eine Erfindung aus der Mitte des 19. Jahrhunderts ist, muss einen der Detailreichtum und die Präzision dieses Instruments schon faszinieren. Mit älterer Technologie wäre so etwas wahrscheinlich nicht machbar gewesen. Schon die – immerhin noch mit einem Holzkorpus gesegnete – Klarinette ist in der Form, wie wir sie heute kennen, noch nicht so besonders alt. Viele der heute als üblich angesehenen Klappen waren zu früheren Zeiten noch ganz normale Tonlöcher, die mit den Fingern des Spielers verschlossen wurden.

Schaut man sich das Patent für die Tonlochabdichtung des Selmer Padless an, stellt sich entsprechend die Frage, warum nicht auch diese Idee schon früher aufgegriffen wurde – benötigen doch die Dichtungsringe um die Tonlochkamine ganz erheblich viel weniger Dichtungsmaterial als die üblichen Klappenpolster.

Aber genau in diesem Minimalismus liegt der Haken an der Sache, und wahrscheinlich auch der Grund, warum die Technik sich bislang noch nicht durchsetzen konnte (wenn wir einmal von dem ganz profanen Grund absehen, dass es in der Konsequenz seit 1942 nicht mehr versucht wurde!)

Die nötige Technologie zur Herstellung der benötigten Tonlochringe hätte schon zu Adolphe Sax’ Zeiten zur Verfügung gestanden – daran kann angesichts der ansonsten komplexen Saxophon-Technik kein Zweifel bestehen. Spannender dürfte da die Frage nach dem Dichtungsmaterial sein. Ausserdem waren im 19. Jahrhundert Fertigungstoleranzen im Spiel, die heutzutage pauschal unter “Ausschuss” gebucht würden. Ein einfacher Blick auf die Klappentechnik in Großaufnahme zeigt, was ich meine:

Ein Tonlochkamin mit freigelegtem aufgedoppelten Ring
Eine zugehörige Klappe

Was schnell erkennbar wird: Sowohl der aufgedoppelte Ring als auch die Klappe selbst müssen im Rahmen der Möglichkeiten plangeschliffen sein – besonders viel Spielraum für Unebenheiten gibt es schon im Ring nicht, obwohl da immerhin noch mit Unterlegmaterial und dem Kleber selbst justiert werden könnte. Die Klappe hingegen verzeiht überhaupt keine Nachlässigkeiten – eine verzogene Klappe, eine winzige Kerbe oder auch nur ein ungleichmäßiger Schliff, und schon ist eine Dichtigkeit nicht mehr herstellbar.

Noch spannender wird dann die Frage nach dem Material für die Dichtungen selbst. Was Anfang der 40er genau verwendet wurde, konnte ich noch nicht herausbekommen – Quellen sprechen von einem ähnlichen Material wie die normalen Klappenpolster, also Leder mit einer Füllung aus Papier und Filz. Das das für diese schmalen Ringe ein Problem werden dürfte, dafür bedarf es nicht einmal besonders farbenprächtiger Vorstellungskraft. Auf keinen Fall dürfte den Machern des Padless so etwas zur Verfügung gestanden haben:

Neue Ringe braucht das Land…

Diese Ringe sind gleichzeitig eine Sisyphus-Arbeit und eine Glanzleistung von Maik (Ex-Woodwind24), der sie einzeln aus einem speziellen Schaummaterial, das mit feinem Leder laminiert wurde, ausgestanzt hat. Allein die Abmessungen der Ringe in Form von Stanzeisen passend abzubilden, war schon ein Akt für sich.

Eine Crux des Materials offenbarte sich leider erst bei der Montage des Padless – was wiederum ein Meisterstück meines Freundes ToKo war. Das verwendete Schaummaterial war entgegen unseren Erwartungen offenporig – damit waren die Ringe seitlich nicht ganz dicht, weil ja entgegen der “klassischen” Padless Dichtungen das Leder die Ringe nicht seitlich umschließt. Die einzige Chance, das Sax spielbar zu bekommen, war daher auch, die Ringe noch einmal nach erfolgtem Einbau und Justage rundum vorsichtig mit dunklem Silikon zu versiegeln. Hat natürlich ganz leicht etwas von “von hinten durch die Brust ins Knie”, aber worauf es primär ankam war, das Horn wieder spielbereit zu machen – denn der Sound ist wirklich ein Kapitel für sich…

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Das Selmer Padless!

Angedeutet hatte ich es ja schon mehrfach, aber jetzt wird endlich gezeigt, was Sache ist:

Das Selmer Padless Saxophon ist ein Instrument mit einer interessanten und leider – zumindest für mich – noch nicht eindeutig nachvollziehbaren Geschichte. Daher mal so ungefähr das, was ich bislang zusammenreimen konnte:

Im Jahre 1939 hat Eugene Sander von der H&A Selmer, Inc., Elkhart, Indiana, USA, eine Eingebung: Er meldet einen völlig neuen Ansatz für die Abdichtung der Klappen von Holzblasinstrumenten zum Patent an. Das Patent mit der Nummer 2,227,230 kann online eingesehen werden, und zwar beim US Patent Office (Patentnummer dort bitte als 02227230 eingeben, dann klappt’s!).

Das Ergebnis seiner Entwicklung sieht beispielhaft etwa so aus:

Tonlochringe
Die patentierten Tonloch-Dichtungsringe
Über das, was nun folgt, sind sich die verfügbaren Quellen uneins. Die Legende sagt in etwa das folgende:Die amerikanische H&A Selmer, Inc. (Selmer USA) steht 1940 nach Ausbruch des 2. Weltkriegs vor einem Problem: Aus Europa kommen keine Profiinstrumente mehr, weil die französische Mutterfirma kriegsbedingt die Produktion einstellen muss. Amerika ist zu diesem Zeitpunkt nicht aktiv im Krieg, die Firma braucht also ein hochklassiges Produkt für den heimischen Markt.Selmer USA geht eine Partnerschaft mit dem amerikanischen Hersteller Buescher ein, und gemeinsam wird ein Instrument entwickelt, das im wesentlichen aus einem modifizierten Buescher Korpus und der etablierten “Radio Improved” Mechanik von Selmer besteht. Die Klappen jedoch sind plan geschliffen – dafür werden als Dichtung die von Eugene Sander zum Patent angemeldeten Ringdichtungen eingebaut. Das Ganze soll später den Spitznamen “Selmer Padless” erhalten. Es werden Varianten als Alto und Tenor Saxophone angeboten, eine Quelle nennt Listenpreise von $250 für das Alto und $275 für das Tenor.Nebenbei sollte erwähnt werden, dass die Grundkonstruktion die Basis der späteren Bundy-Saxophone bilden sollte – ob das damals schon Intention der Entwickler war, ist wohl nicht mehr zweifelsfrei feststellbar.

Übrigens findet sich bei cybersax.com eine schöne Beschreibung eines Padless Altos plus deren englischsprachige Version der Geschichte des Padless. Ob die Chronologie dort näher an der tatsächlichen Geschichte ist – wer kann das nach fast 70 Jahren schon noch sagen? Realistisch erscheint allerdings die Einschätzung, dass die Linie wegen technischer Probleme bei der Herstellung und Wartung der Instrumente – die Dichtungsringe waren damals aus Leder mit Papiereinlage, und dementsprechend anfällig für Undichtigkeiten – wieder eingestellt wurde.

Soviel zur Geschichte. Überschlagsmäßig etwa 55 Jahre später gelangt eines dieser Saxophone, in diesem Fall ein Tenormodell, in meinen Besitz. Von den klassischen Dichtungen ist nichts mehr vorhanden, stattdessen befinden sich vom Alter verhärtete Gummiringe in den entsprechenden Ringvertiefungen. Damit machen die Klappen einen Höllenlärm, dennoch ist das Instrument leidlich von Tief-F bis ins hohe Register spielbar. Das, was an Tönen herauskommt, spricht eine deutliche Sprache: Dieses Saxophon muss wieder “singen” lernen. Das Design mit den plangeschliffenen Klappen und die spezielle Bauweise sorgen für ein Resonanz- und Anspracheverhalten, das ganz einzigartig ist. Es wäre eine Sünde, dieses Instrument weiter im Dornröschenschlaf liegen zu lassen…

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Die Leiche im Keller (Finale)

Tja, es ist schon eine ganze Weile her, dass ich der “Leiche” das obligatorische Update zuteil werden ließ. Aber was lange gärt, wird endlich Wut (oder irgendwie so): Hier ist also das wiedererstandene “Impala” Tenorsaxophon in seiner ganzen wiedergewonnenen Schönheit:

Das Impala von rechts
Das neu erstandene “Impala”
Von dem seinerzeit bei mir angekommenen, komplett korrodierten Sax ist nicht mehr viel zu bemerken. Die “alte Kanne” wurde von Grund auf gesäubert, lose Lötstellen – die ich nie selbst hätte fixen können – hat Johannes ebenso perfekt wieder hinbekommen, wie das Spiel aus der klappernden und angerosteten Mechanik komplett verschwunden ist.Alle Klappen laufen so leicht, wie sie sollen, die Federn wurden weitestgehend durch neue, weniger martialische, dafür aber umso ausgewogenere Teile ersetzt. Die eingesetzten Polster verdienen endlich diese Bezeichnung wieder und liegen absolut dicht an. So ist es eine Freude, dieses Horn zu spielen.
Das Impala von rechts
Welcome to the other side…
Besonderes Augenmerk ist noch auf ein Kleinod zu legen, das Johannes gezaubert hat: Die neue Daumenauflage am Oktavhebel. Die alte Plastikkappe war nun wirklich alles andere als der Hit, aber was ich hier sehe, lässt das Saxer-Herz lachen: Die neue, blitzblanke Messing-Kappe wurde mit winzigen Madenschrauben auf dem alten Unterbau befestigt. Nicht nur, dass das super angenehm in der Hand liegt, durch die kleinen Schrauben kann sogar die Position der Ablage feinjustiert und damit exakt auf den Oktavhebel abgestimmt werden. Einfach genial. Sollte er sich patentieren lassen…
Die Daumenablage
Eine kleine aber feine Meisterleistung!

Schließlich sei noch erwähnt, dass bereits die nächste Fleißarbeit bei ToKo und Johannes lagert: Jeweils ein Pennsylvania Special Alto (eigentlich ein Keilwerth-Stencil) und ein Straight Neck Conn C-Melody in Bare Brass (also unlackiert) warten darauf, wieder Töne von sich geben zu dürfen. Und dann natürlich dauerhaft in meine Sammlung einzuziehen…

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Seelentröster auf Silberscheibe

Nicht erst seit gewissen jüngeren Workshop-Erlebnissen sind mir die Playbacks zum Improvisieren von Tunesday Records liebe Begleiter geworden. Nach einigen Sessions mit diesen Scheiben habe ich aber nun meine Sammlung um das bisherige “Sahnestück” erweitert:

Jazz + Blues von Tunesday RecordsDie Jazz Vol. 3 “Jazz-Blues” liefert 16 absolut hochklassige Playbacks, zu denen sich ganz fantastisch “grooven” lässt. Ob allein oder zu mehreren, ob mit Saxophonen oder auch weiterer instrumentaler Unterstützung – mit dieser Scheibe geht unglaublich viel, und vor allem wird sie nicht langweilig, weil jedes Stück seinen eigenen Charakter hat.

Die Bonus Tracks lehnen sich teilweise an bekannte Standards an, die man – wenn man sie erst mal erkannt hat – darauf sogar sehr gut spielen könnte…

…wenn man das denn will, denn eigentlich geht es hier um Improvisation, und da kann man sich nun wirklich austoben. Die Tonarten sind i.d.R. im Booklet angegeben, so dass allzuviel ausprobieren auch dem nicht mit einem absoluten Gehör Gesegneten erspart bleibt. Allerdings sind die Tonarten auch nicht so abgefahren gewählt, dass man nicht einfach von selbst drauf kommen könnte. Auf manchem Treffen haben wir jedenfalls auch ohne Blick in die Booklets zu diesen CDs gut loslegen können.

Die einzige wünschenswerte Erweiterung wären noch längere Tracks oder die Möglichkeit, die Tracks als Loop zu schalten – aber ein paar gute Gründe für die Unersetzlichkeit einer echten Rhythm-Section muss es ja auch weiterhin geben.

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Aufnahmetechnisches…

Der Saxwelt-Workshop brachte es an den Tag: Zu Spaß mit dem Instrument gehört auch, diesen Spaß gelegentlich für mich selbst oder andere Interessierte zu konservieren.

Bislang hieß das meistens, dass ich mein MacBook bemühen musste, um mittels angeschlossenem USB-Mikrofon (Samson C01U) und GarageBand hoffentlich brauchbare Tracks zu erzeugen. Das funktioniert sehr gut, bedeutet aber einiges an Material das zusätzlich zum Sax transportiert werden muss.

Nun hatte ein netter Saxwelt-Kollege auf dem Workshop ein ziemlich geniales Spielzeug dabei: Den Boss Micro BR. Ich hatte schon gehört, dass es sowas gibt, aber nie live gesehen geschweige denn Aufnahmen davon bewusst wahrgenommen. Unglaublich – das Ding ist ein Aufnahmestudio im Taschenformat. Zugegeben, mit technischen Beschränkungen aufgrund der geringen Größe, aber so unglaublich vielseitig, dass es mir buchstäblich die Schuhe ausgezogen hat (keine Angst, sind wieder angezogen und es ist auch keiner umgefallen…).

Das Ende vom Lied ist natürlich mal wieder eine Belastung des Musik-Budgets: Ein Micro BR muss her. Woher, das weiß ich schon – nur bestellen muss ich ihn noch. Praktischerweise bietet Thomann das Ding als Bundle zusammen mit Kopfhörer und Micro an (das integrierte Micro ist gut, ein externes ist besser…). Mglw. bestell ich gleich einen E-Bass mit, denn das Teil hat eine Gitarrenklinke als zusätzlichen Input. Wirklich gut überlegt…

Es besteht also die (wahlweise) Gefahr bzw. Hoffnung, dass demnächst hier wieder Aufnahmen erscheinen werden. Die von früher musste ich ja leider wieder offline nehmen.

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